Neue Enthüllungen im Fifa-Skandal

Der Erfinder der krummen Geschäfte

2009 jedoch geriet Burzaco in Bedrängnis, als die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner seinem Bezahlsender die Übertragungsrechte für Erstligaspiele entzog. Die Hintergründe dafür sind weiter unklar. Klar ist allerdings laut dem argentinischen Bundesrechnungshof, dass die »Vertragsverhandlungen« nicht nach den üblichen Verwaltungsvorschriften gelaufen sind. Kurze Zeit nach der Übernahme der Rechte rief die argentinische Regierung das Fernsehprogramm »Fútbol para Todos« (»Fußball für alle«) ins Leben. Hierfür engagierte man den einzigen öffentlich-rechtlichen und regierungsnahen Sender »Television Publica«.

Alle Spiele der ersten Liga und der Nationalmannschaft werden seitdem mit großem Erfolg live übertragen, während in den Halbzeitpausen Werbefilme für die Regierung Kirchner laufen. Im Zeitraum von 2009 bis 2015 stiegen die öffentlichen Ausgaben für die Fernsehübertragungen von umgerechnet 78 Millionen auf 185 Millionen Euro. Trotzdem kommt das Programm beim Publikum gut an, denn zu Zeiten von Burzacos Bezahlsender TyC konnte nur ein Teil der Bevölkerung die Spiele verfolgen. Heute laufen an einem Tag bis zu drei Spiele hintereinander - unverschlüsselt. Ein Spieltag ist aufgesplittet in bis zu fünf Tage. Brot und Spiele nannte man Kirchners Konzept im alten Rom.

Der »Pate« des argentinischen Fußballs

Der windige Burzaco aber ließ sich das Geschäft nicht kampflos aus der Hand nehmen. Er wandte sich 2011 an Julio Grondona, den »Paten« des argentinischen Fußballs. Der galt als eigentlicher Erfinder und Exporteur der krummen Geschäfte, wie sie bei der Fifa inzwischen weltweit verbreitet sind. Seine Kernkompetenz: die Vergabe von Fernsehrechten. Bis zu seinem Tod im Juli letzten Jahres leitete der ehemaliger FIFA-Finanzdirektor und Intimus von Joseph Blatter 35 Jahre lang den argentinischen Fussballverband (AFA). Mit rund 15 Millionen Dollar bestach ihn Burzaco laut US-Anklageschrift, um sich die Vermarktungsrechte der Copa América für die Jahre 2015, 2016, 2019 und 2023 zu sichern. 

Das investierte Geld trug aber auch im Streit mit der argentinischen Regierung Früchte: Grondona übte seinen immensen Einfluss aus und Burzaco durfte sich 2011 von der Regierung für 160 Millionen Euro jährlich die Fernsehrechte für die Übertragung aller Spiele der ersten argentinischen Liga zurückkaufen. TyC übertrug von nun an »Futbol para Todos«. Eine öffentliche Ausschreibung der Fernsehrechte umgingen Burzaco und Grondona.