Neue Anstosszeiten im Unterhaus?

Die ärgerlichste zweite Liga aller Zeiten

Nach dem Mehrheitswillen der 18 Zweitligisten soll der Spieltag weiter zerstückelt werden. Warum das kurzfristig auf der Hand liegt, langfristig gesehen aber eine Katastrophe ist.

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Die gute Nachricht: Die ewig härteste, ewig stärkste zweite Liga aller Zeiten, sie ist endlich Geschichte! Die schlechte Nachricht: Sie wird abgelöst von der ärgerlichsten zweiten Liga aller Zeiten.



Der Grund: Nach Informationen der »Sport-Bild« stimmte die Mehrheit der 18 Zweitligisten gegen die Abschaffung des Montagsspiels und aber zusätzlich für die Einführung einer weiteren Anstosszeit. Demnach ist es der Wille der Klubs, nun auch am Samstag um 20 Uhr aufzuspielen.

 Mit dem Votum der Vereine ist DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in die Position erhoben worden, beim Verkauf der TV-Rechte ab der Saison 2021/22 auch diesen weiteren Termin mit anzubieten.



Das soll, klar, mehr Geld bringen und die Finanz-Schere zwischen der ersten und zweiten Liga schließen. Es wäre ein Desaster. Und hätte langfristig den gegenteiligen Effekt.



Nicht blind nacheifern

Das beginnt schon mit der Möglichkeit einer weiteren Ausspielstation. Gut möglich, dass die zweite Liga dann also nicht mehr nur exklusiv bei Sky zu sehen sein wird, sondern eben montags auch noch wie bisher bei Sport1 und am Samstagabend bei, warum denn nicht, ServusTV. Im Stream-Abo. Fraglich, ob das beim Fan, der Kunde, der König ist, nicht eher zu Verdruss führt.



Es ist schlicht ätzend, dass man sich überlegen muss, wo man die Spiele denn nun sehen kann. Die Erfahrungen der aktuellen Champions-League-Saison sollten Mahnmal genug sein. Denn Fußball ist einfaches Spiel und auch deshalb so großartig. Das sollte er bleiben, auch als TV-Sport. 

Die zweite Liga ist ohnehin schon viel zu sehr zerstückelt und allein dadurch unattraktiver geworden.

Sandhausen, Heidenheim und Co. - niemand, der nicht ohnehin zu einem dieser Vereine hält, schaut sich ihre Spiele an. Viel attraktiver hingegen wäre eine Bündelung, eine Zweitliga-Konferenz größeren Aufschlags. 

Wer, wie die zweite Liga, im Schatten eines Giganten steht, muss etwas anders machen. Und nicht blind nacheifern, dem schnellen, offensichtlichen Geld hinterherjagen.

Lieber auf die schnelle Mark

Ein Zweitliga-Spieltag, der gebündelt zu hauptsächlich einer Anstosszeit ausgeführt wird, wäre ein viel attraktiveres Angebot an den gemeinen Fußballfan und würde genau deshalb langfristig viel mehr Geld einbringen, als das kurzfristige Verschachern verschiedener Anstosszeiten.



Doch statt einen nachhaltigen Plan zu entwickeln, setzen die Verantwortlichen offenbar lieber auf die schnelle Mark. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie mit dem Argument der internationalen Ausrichtung kommen. Ingolstadt-Kiel am Samstagabend ist sicher auch für den amerikanischen Markt interessant und liefe dort dann zur Primetime. Und wenn das nicht zieht, könnte man immer noch die Karte »Entlastung der Europokalteilnehmer« zücken.



Macht zwar auch keinen Sinn. Aber darum scheint es ja schon lange nicht mehr zu gehen.