Nazis auf den Rängen

Von Nazis bedrohte Ultras

Das Fanprojekt des 1. FC Kaiserslautern wurde vom DFB mit dem »Julius-Hirsch-Preis« ausgezeichnet. Nachdem bei einer Trainingseinheit der Ruf »Lauft, ihr Juden!« zu hören war, organisierten Leiter Erwin Ress und sein Team zahlreiche Veranstaltungen, um den Fannachwuchs zu sensibilisieren. Nach der Preisverleihung nahm sich das »Infoportal 24«, die Website des neonazistischen »Aktionsbüro Rhein Neckar«, den FCK und sein Fanprojekt zur Brust. »Judenfreundlichkeit wird belohnt, Fanprojekt Kaiserslautern kassiert ab«, hieß es dort.

Die Lauterer Hoolszene galt in den Achtzigern und Neunzigern als offen neonazistisch. Viele der Herren sind älter und ruhiger geworden, viele haben mit Politik nichts zu schaffen, doch noch heute gehen zahlreiche Nazikader im Stadion ein und aus. Die etwa 70 Hools, die regelmäßig in Block 5.3 sitzen, sind befreundet mit rechtsgerichteten Fans von Paris Saint-Germain. In der Lauterer Ultraszene wiederum besteht eine Freundschaft mit den eher linken Ultras des FC Metz. Hartnäckig hält sich in Kaiserslautern das Gerücht, dass die Lothringer ihre Pfälzer Freunde im Februar nicht anlässlich des Heimspiels gegen Köln besuchen durften. Die Hools, heißt es, hätten dies untersagt, um ihre Kumpels aus Paris nicht zu brüskieren. Wenn kampfsporterprobte Hooligans »Ansagen machen«, spuren die Ultras. Auch in Dortmund, Duisburg oder Braunschweig wurden exponierte Ultras bedroht. Entweder sie würden aufhören, sich gegen Rechts zu positionieren, oder man werde ihnen endgültig zeigen, wer Herr im Block sei.

»SS-Siggi« Erben
In den unteren Ligen, wo oftmals eine einzelne treue Seele die Geschäftsstelle am Laufen hält, haben die Rechten leichtes Spiel. So wie beim Regionalligisten FC Homburg, der sich über 6000 Zuschauer im Saarland-Pokalspiel gegen den Erzrivalen 1. FC Saarbrücken freut. Darunter allerdings eine Menge, die weder mit der Stadionordnung noch mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland etwas am Hut haben. Auf Höhe der Mittellinie springen jüngere Ultras mit »Kategorie C«-Pullis herum. Neben ihnen stehen ein paar Ältere, darunter ein Typ, der eine weiße Jacke mit dem Aufdruck »Aryan« (Arier) trägt und sich die Lebensrune, ein bei der SS beliebtes heidnisches Symbol, hinter das linke Ohr hat tätowieren lassen. Die eigentliche rechte Szene trifft sich in ungefähr 50 Meter Luftlinie Entfernung, bestimmt hundert Hooligans produzieren sich unter dem rostigen Schild von Block 1. Knapp die Hälfte von ihnen lässt kurz vor der Halbzeitpause die »U-Bahn von Saarbrücken bis nach Auschwitz« fahren, mit der sie die »schwarz-blauen Juuuden« abtransportiert wissen wollen. Bis zum Schlusspfiff stimmen sie immer wieder diese Gesänge an, die Polizei steht untätig ein paar Meter daneben. »Wir können nicht so tun, als hätten wir das Problem nicht«, sagt Rüdiger Schneidewind, Beigeordneter der Stadt Homburg »Es gibt in der Gegend Neonazi-Kameradschaften, die in den Fußball drängen.«

Am Morgen nach dem Derby Dortmund gegen Schalke ruft »SS-Siggi« wieder an. Der Mann hat zum Frühstück definitiv keinen Kaffee getrunken. 1:2 verloren gegen die verdammten Schalker, so eine Scheiße! Doch alles andere war nach seinem Geschmack. 180 Festnahmen, immer wieder sind die beiden Fangruppen aufeinandergeprallt. »Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Jungs!« Tatsächlich hatten seine Weggefährten von der »Borussenfront« vor der Nordtribüne gewütet, später hat die Polizei auch den Kreisvorsitzenden der NPD festgenommen, Stadtrat Matthias Wächter. »Ich habe dem Wächter noch gesagt, dass er nicht mitgehen soll«, meint Borchardt, »aber der hat nicht auf mich gehört.« Doch sonst alles paletti: »Hömma, hamse richtig Gas gegeben, meine Jungs, ne?« Es sind wieder gute Zeiten für »SS-Siggi« und seinesgleichen.