Nazi-Brasilianer und ihre Zwangsfußballer

»Sogar das Vieh hatte Nummern«

Aloísio folgt seinem früheren Traum, wird Fußballprofi für den Club »Estrada de Ferro Sorocabana«, später kickt er noch für »Derac Itapetininga« und das Amateurteam von »Tatuí«. Seine Karriere beendet er beim »Clube Atlético Juventus« in Sao Paulo, wo er zwar noch trainieren darf, aber nicht mehr allzu oft zum Einsatz kommt. Und obwohl auch Aloísio »Santa Albertina« verlässt, werden ihn die Jahre dort sein ganzes weiteres Leben lang begleiten, wird die Farm immer ein Teil seines Schicksals sein. Anfang der sechziger Jahre kehrt er noch einmal dorthin zurück, als der Krupp-Erbe Arndt von Bohlen und Halbach das ehemalige Rocha-Miranda-Anwesen erwirbt und dort rauschende Parties feiert. Aloísio ist einer der Musiker, die zum Tanz aufspielen. Noch heute lebt er, mittlerweile 90 Jahre alt, in Campina do Monte Alegre.

Marício Vidal da Rocha Miranda, der Großneffe von Aloísios Teamkollegen Sergio, dem Torwart, versuchte kürzlich in einem Interview, die Hölle, durch die die als »Nummernmenschen« bekannt gewordenen Kinder gehen mussten, zu relativieren: »Das Markenzeichen der Farm, das Hakenkreuz, war tatsächlich an den Nationalsozialismus angelehnt – das war allerdings, bevor dieses Symbol durch die Scheußlichkeiten, die Hitler begangen hat, entweiht wurde. Die NSDAP hatte viele Anhänger in Brasilien, und mein Großonkel war einer von ihnen. Doch sobald er sich bewusst wurde, was für schreckliche Taten von den Nazis verübt wurden, hat auch er sie verdammt.«

Der Albraum wird nie ganz vergessen werden

Aloísio selbst schüttelt nur den Kopf, wenn er an diese Zeit zurück denkt, vielleicht hat das Alter ihn milde werden lassen. Als Vater von acht Kindern hat er ein gutes Leben gelebt, mit seiner vom Staat gezahlten Rente von umgerechnet 130 Euro im Monat ist er zufrieden. Manchmal kommt ihm sein anderes Leben als Nummernmensch in Santa Albertina mittlerweile wohl selbst wie ein Albtraum vor, doch vergessen können wird er wohl nie wirklich ganz: »Sogar das Vieh auf der Farm hatte Urkunden und Stammbäume. Ich hatte noch nicht einmal einen Namen.«