Nach dem Final-Kopfballtor von Branislav Ivanovic

Der Kopfball als Waffe

Selbstverständlich hat es immer wieder Ausnahmen gegeben, es gibt sie bis heute: Fußballer, die sogar ziemlich häufig mit dem Kopf ihre Tore erzielen. Und doch blickt man verlegen auf die deutschen Auswahlfußballer zwischen 1996 und 2006, die ihre wichtigen Spiele mit dem Brecheisen entscheiden mussten, statt den Gegner am Boden zu dominieren. Die deutschen Vorzeige-Brecheisen, Horst Hrubesch und Karl-Heinz Riedle, mussten sich gar in langen Interviews für ihre Fähigkeiten rechtfertigen. »Kopfball ist ein legitimes Spiel, und wenn es zum Erfolg führt, kann man´s einsetzen. Wenn die Mannschaft mal einen schlechten Tag hat, dann hat sie immer noch ein Mittel parat.« (Hrubesch) »Solange es Fußball gibt, wird der Kopfball eine Waffe bleiben.« (Riedle) Das klang fast schon wie Entschuldigungen.

Brachial und elegant

Nun wird der finale Kopfballtreffer von Branislav Ivanovic das Image des Kopfballs nicht grundlegend renovieren. So kunstvoll er in all seiner Brachialität und Eleganz auch war. Aber das Tor des serbischen Hünen hat wieder einmal gezeigt, zu was so eine Fähigkeit, den Ball in der Luft mit dem Kopf zu beherrschen, gut ist. Zum Beispiel für einen historischen Triumph. Dass eine Mannschaft die Champions League und im darauffolgenden Jahr die Europa League gewinnt, hat es zuvor noch nicht gegeben. Dem Kopfball, diesem Brecheisen, sei Dank.

PS: Wie fühlt er sich eigentlich an, so ein erfolgreicher Kopfball? Lassen wir doch den Meister selbst zu Wort kommen. Horst Hrubesch und sein Fazit in einem Interview mit der »Berliner Zeitung« von 2002: »Das ist ja eine Sache von Hundertstelsekunden. Du weißt, du gehst hoch, du siehst den Ball, du hast volle Konzentration auf den Ball, und du weißt, wo's Tor steht, und dann kommt der entscheidende Moment: Entweder du triffst ihn oder du triffst ihn nicht. Also hast du keine Zeit, da irgendwelche Gefühle zu entwickeln. Wenn du anfängst, Gefühle zu entwickeln, siehst du den Ball nicht mehr. Die Gefühle kannst du hinterher entwickeln, wenn er drin ist. Entweder geht er daneben, dann bist du sauer, oder er geht rein - dann bist du froh.«