Muss der FC Millwall umziehen?

Gefahr für die Löwenhöhle

Der FC Millwall steht seit mehr als 100 Jahren für ehrlichen Fußball. Weil der Stadtrat dubiose Beziehungen zu einer Baufirma pflegt, könnte der Londoner Klub jetzt seine Heimat verlieren.

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Vom Londoner Bezirk Lewisham ist die vornehme Innenstadt mit ihrer Skyline weit weg. Hier ist vieles noch so, wie es schon vor Jahrzehnten war. Eines der letzten großen Industriegebiete der britischen Hauptstadt befindet sich hier, die Häuser haben noch die alten Backsteinfassaden und alles sieht ein bisschen dreckig aus. Mittendrin: »The Den«, seit über 100 Jahren die Heimat der Lions vom FC Millwall.

Millwall, das ist Ehrlichkeit und Abstiegskampf. Das ist große, wenn auch titellose Geschichte und triste Realität. Das sind Hooligans, Handarbeit und Arbeiterklasse. Letztes Jahr verpasste der Klub den Aufstieg knapp, diese Saison dümpelt man im Mittelfeld der League One herum. Erfolg und Misserfolg liegen hier nah beieinander.

Dreckig, Ehrlich, Heimat

Millwall ist Lewisham und Lewisham ist Millwall – dreckig, ehrlich, Heimat.

Doch was Bezirk und Verein ausmacht, wird für die Höhle der Löwen zur Gefahr. Die Bezirksverwaltung ist der Ansicht, dass das Gebiet um das Stadion des Zehnten der englischen dritten Liga unterentwickelt ist und sieht ein deutliches Aufwertungspotential. Deshalb möchte sie von einer sogenannten »compulsory purchase order« (CPO) Gebrauch machen.

Damit können öffentliche Verwaltungen im Vereinigten Königreich den (Ver-)Kauf von Land erzwingen, wenn er dem öffentlichen Interesse dient. In der Vergangenheit wurde das zum Beispiel für Schnellstraßen durchgesetzt, wenn die Landbesitzer auf der geplanten Route ihren Grund nicht verkaufen wollten. Der gleiche Fall droht jetzt rund um das Stadion in Lewisham.

Der Bezirk möchte Land des Millwall Community Trust und die Parkplätze der Arena kaufen. Im nächsten Schritt würde es an die Offshore-Baufirma Renewal weiterverkauft. Für den Millwall-Vorsitzenden Steve Kavanagh eine »sehr besorgniserregende Entwicklung«, wie er im Gespräch mit London Live berichtet. Und weiter: »Wir fühlen uns unfair behandelt.« 

Bezirksverwaltung und Bauunternehmen Hand in Hand

Denn Renewal möchte ein von der Bezirksverwaltung gebilligtes Aufwertungsprojekt in der direkten Umgebung des Stadions durchführen: 2.400 Wohnungen sollen entstehen. Dass davon lediglich 12 Prozent unter den sozialen Wohnungsbau fallen und der einzige Profiklub des Stadtteils womöglich weggentrifiziert würde – anscheinend kein Problem für die Labour-geführte Bezirksverwaltung, trotz aller Treuebekenntnisse zum Verein. 

Das könnte auch an den dubiosen Verstrickungen von Mandatsträgern in die Machenschaften von Renewal liegen. So gründete der ehemalige Labour-Bürgermeister Lewishams, Dave Sullivan das Unternehmen, das heute zwei Briefkastenfirmen auf der Isle of Man und den Britischen Jungferninseln gehört.

Der CEO von Renewal ist ein ehemaliger Beamter und Kollege des aktuellen Geschäftsführers der Bezirksverwaltung, Barry Quirk. Der wiederum sieht sich mittlerweile im Zentrum der Kritik – nachdem der gewählte Bezirksbürgermeister auf Grund seiner Funktion als – Überraschung - Direktor einer Renewal-Tochter zurücktrat.