Münchens vergessener Klub

Wacker bleiben

Fußball-München, das ist nicht nur rot und blau, das ist auch Wacker. Oder: Das war auch Wacker. Vom einstigen Ruhm ist nicht viel geblieben. Außer jeder Menge Holz.

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An einem hölzernen Tisch, auf hölzernen Stühlen sitzen fünf Stammtisch-Schwadroneure mit graumeliertem Haar und Bierbauchansatz. Überhaupt ist vieles hier aus Holz. Es riecht nach dem, was die Leistungsträger der dritten Halbzeit am liebsten trinken: nach isotonischem Hopfenmalz. Übliches Kneipen-Ambiente eben.

Doch bei aller Gewöhnlichkeit ist das eigentlich ziemlich ungewöhnlich. Zumindest hier in der Demleitnerstraße, beim FC Wacker München. Bei der Anfahrt in der U-Bahn schwirren andere Bilder durch den Kopf, glamourösere. Denn der FC Wacker war bis in die 90er-Jahre die drittstärkste Kraft in München. Nach dem FC Bayern, nach dem TSV 1860 München.

Das Vereinsheim steht symbolisch für die Historie des Vereins

Dann der krachende Absturz. Von 1992 bis 1994 stieg der Verein von der dritten in die sechste Liga ab. Und heute: Kreisliga München Süd, Spiele auf Ascheplätzen. Der Glanz des FC Wacker - verstaubt wie ein Paar Fußballschuhe nach einem Spiel auf Hartplatz. Über eine schmale Treppe mit wenigen Stufen geht es nach oben. Eine, zwei, drei, vier, fünf – jede könnte für eine Liga stehen. Stufe eins: das Hier und Jetzt; Stufe zehn: das, was einmal war.

Die Aufteilung des Vereinsheims ist gewissermaßen symbolisch für die Historie des FC Wacker: Unten die Kneipe, die Dorfklub-Flair versprüht; oben der Presseraum mit Relikten aus einer anderen Zeit. Zusammengepfercht auf Sechzehnmeterraum-Größe. Der Besuch beim FC Wacker stimmt nostalgisch. Überall Erinnerungen. In Fotoalben, an den Wänden, in den Schränken.

Beckenbauer grantelte

Zeitungsartikel liegen auf dem Tisch, abgeheftet in Ordnern. In einem Artikel wird von einem Testspiel zwischen dem FC Wacker und der deutschen Nationalmannschaft berichtet. Mit dabei: Gerd Müller, Sepp Maier, Wolfgang Overath. Ein Star-Ensemble. Auf dem Platz orchestriert vom kaiserlichen Dirigenten Franz Beckenbauer. Am Ende stand ein sensationelles 1:1 auf der Anzeigetafel des Grünwalder Stadions.

Nach einem Patzer von Sepp Maier war der FC Wacker sogar in Führung gegangen, Gerd Müller hatte per Elfmeter ausgeglichen. »Ja, ja. Wacker ist stark gewesen. Wir hätten uns einen Gegner aus der Bezirksklasse holen sollen«, sagte Beckenbauer später in der Kabine. Das dachten sich 1981 wohl auch die Verantwortlichen des damaligen Bundesligisten TSV 1860 München. Der FC Wacker – seinerzeit Bayernligist – düpierte die „Sechzger« in einem Testspiel mit 2:0.

Die Zeitungen schrieben danach: »Auch für einen Bayernligaverein wie den FC Wacker ist es keine Kunst mehr, die Münchner Bundesliga-Löwen an die Leine zu legen.« Kleine Augenblicke, auf die man heute mit großen Augen blickt. Erfolge, die zwar keine Punkte einbrachten, aber ein Image. Das verloren gegangen ist mit der Zeit, mit all den Misserfolgen.