Moment des Jahres (7): Derbysieg in Kreuzberg

Meine Mannschaft

Alex Raack hatte fast vergessen, warum er Fußball so liebt. Bis ihn sein Moment des Jahres wieder daran erinnerte.

Privat

Ich hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlt »Meine Mannschaft« zu sagen. Mein Team. Ich bin Fan von Werder Bremen, aber da mein erstes Spiel für den SVW erstaunlicherweise noch immer aussteht, finde ich die Bezeichnung »Meine Mannschaft« irgendwie albern. Das letzte Pflichtspiel für meinen Heimatklub liegt etwa zwölf Jahre zurück. Ich erinnere mich an zwei Traumtore aus der Distanz, einen Scherenschlag gegen die Latte und sechs herrliche Dribblings in des Gegners Hälfte. Es kann aber auch ganz anders gewesen sein. Zwölf Jahre sind ja eine lange Zeit.

Zwei Kisten Pils, 0:5 Tore, dann verletzt

»Meine Mannschaft« heißt seit einigen Wochen THC Franziskaner. Ein Freizeitligist, 1987 in Kreuzberg gegründet. Ich habe fleißig mittrainiert, wurde aufgenommen, spendierte bereits zwei Kisten Pils (Begrüßung, neue Schuhe) und feierte mein Debüt. Die Schreckensbilanz: zwei Spiele, 0:5 Tore, 0:6 Punkte. Das Spiel gegen den Tabellenführer verpasste ich. Meine Mannschaft gewann 3:0. Dann verletzte ich mich im Training. Der Fußballgott hatte offenbar genug gesehen.

Am vergangenen Wochenende trafen wir im Kreuzberger Derby auf eine Truppe namens Urbanspor. Von denen hatte ich noch nie gehört, aber selbstverständlich ließ ich mich von der Aufregung im Vorfeld anstecken und schmeckte am Spieltag Blut im Müsli. Statt also wie üblich den Samstag-Morgen durchzufrühstücken, schleppte ich meinen angeschlagenen Körper in den Görlitzer Park und schaute Fußball.