Moment des Jahres (4): Frankfurts Sieg gegen Köln

Eurobabogaaal?

Nach vier Spieltagen ist Eintracht Frankfurt eine Spitzenmannschaft und auf dem Weg nach Europa. Mindestens. Dachte zumindest Naivling Stephan Reich.

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Die »Glühlampe« in Berlin-Friedrichshain ist ein ganz und gar perfektes Fleckchen Erde. Selbst an den sonnigsten Sommertagen stören nur wenige Sonnenstrahlen die diesig-heimelige Kneipenatmosphäre, an den Wochenenden laufen die Spiele der Frankfurter Eintracht und das Bier wird zu einem Preis verkauft, der das Portemonnaie schont, für den man sich aber auch noch nicht zu schämen braucht. Es ist der Himmel.

In diesem Himmel aus Rindsworschtgeruch, Bierseligkeit und Sky-Gedröhne pflege ich nun seit einigen Jahren meine Samstagnachmittage zu verbringen. Das sorgt bei einigen meiner weniger fußballaffinen Kumpels für Kopfschütteln, aber wer das wohlige Gefühl nicht kennt, dem Kater vom Vorabend mit dem ersten Bier des Nachmittags entschlossen entgegenzutreten, während die nächste traurige Vorstellung des Herzensvereins einen gleichzeitig erdet, der hat in meinen Augen nie richtig gelebt.

Jetzt aber. Jetzt wird alles besser.

Nun ist mir von der Eintracht anno 1992, als ich mein erstes Spiel im Stadion besuchte und mich unsterblich in diesen Klub verliebte, ein Versprechen gemacht worden, auf dessen Einlösung ich bis heute warte. Damals war die Mannschaft ein Spitzenteam, spielte den schönsten Fußball und meist auch europäisch. Und auch zwanzig bittere Jahre voller Abstiege, Fast-Insolvenzen und Michael Skibbes sitze ich Woche für Woche in der Kneipe und denke: Jetzt aber. Jetzt wird alles besser.

Und oh, es wurde besser. Am vierten Spieltag der laufenden Saison kam Köln nach Frankfurt. Die Eintracht war okay gestartet und man ahnte, dass dieses Team Potential hatte. Ähnlich war es den Kölnern ergangen, in deren Umfeld ebenfalls zaghaft von Europa die Rede war. Ich nahm also Platz auf der Bierbank vor der Leinwand und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

»Meieeeeer. Was ein Spieler!«

Bereits nach vier Minuten schoss die SGE das erste Tor. Ausgerechnet Meier, der zuvor fünf Monate verletzt war. »Meieeeeer«, japste mein Kumpel Michel neben mir, und schob ungläubig ein »Gibsnich« nach, während die pickepackevolle »Glühlampe« mir gesangesmäßig in Erinnerung rief, dass Alex Meier ein Fußballgott sei, der träfe, wie er wolle, sogar mit dem Zopf. »Was ein Spieler«, sagte ich und nickte anerkennend gen Leinwand.