Moment des Jahres (3): Relegation 2015

Der »Gesichtsälteste Hamburger des Jahres«

Ich und der Klub von Charly Dörfel, Horst Hrubesch, Ernst Happel, Jan Furtok und Karsten Bäron, wir waren in dieser tristen Stunden unter uns. Wir waren nicht allein, wir hatten uns, so wie in all den Jahren zuvor, als das Leben noch ein anderes, besseres war. Also würden wir jetzt auch diese Prüfung – die zweifellos härteste von allen – gemeinsam durchstehen.

Doch Marcelo Diaz vergaß all die Schnörkel, die ihm durch die Gehirnwindungen schossen. Er düpierte den fassungslosen Mannschaftskapitän, der keuchend neben ihm stand. Ließ ihn stehen wie den schmächtigen, nasebohrenden Nachbarsjungen, den bei der Mannschaftswahl auf dem Bolzplatz nie einer wollte.

Godverdomme!

Klaus-Michael Kühne, steck dir deinen Heilsbringer sonstwohin. Godverdomme. Never mind VdV, here’s Marcelo. Der Schlusspfiff nur einen Windhauch entfernt. Oben auf der Tribüne war der genügsame Menschenfreund und Hoffnungsträger Didi Beiersdorfer soeben zum »Gesichtsältesten Hamburger des Jahres« gekürt worden. Und. Jetzt. Doch. Noch. 1:1.
 
Dass es danach noch Verlängerung gab, der HSV das Spiel erst noch entscheiden musste, hatte ich jetzt, wo ich in meiner Erinnerung nach den Stunden im Frankfurter Bahnhofshotel krame, schon fast vergessen. Es konnte nichts mehr schief gehen. Ein Tor hatte die Tristesse von gefühlten tausend Jahren – dieser Arnesens, Bergs, Van Marwijks, Kreuzers, Elias, Oennings, Guerreros – ausradiert. Ciao Raffael, ciao Heiko, ciao Valon. Come on, sugar, let the good times roll!

Es gibt sicher subtilere Einfälle für eine Rubrik zu den unvergesslichsten Momenten des Jahres 2015. Aber das Zischeln beim Öffnen des seifigen Piccolos, dem ersten (und wohl auch letzten), den ich in meinem Leben je einer Hotel-Minibar entnommen habe, werde ich mein Leben lang nicht vergessen. 

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