Moment des Jahres (3)

Als Micki traf, war alles gut.

Henrikh Mkhitaryan schießt Dortmund in Liverpool in Front und BVB-Fan Uli Hesse ist sicher: Hier kann nichts mehr schiefgehen. Denkste. 

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Vielleicht sollte ich hier etwas mehr journalistische Distanz wahren und »Henrikh Mkhitaryan« schreiben. Doch erstens fällt es mir auch nach einigen Jahren Übung noch immer schwer, alle Konsonanten in die richtige Reihenfolge zu bringen. Zweitens soll dies hier ein ganz persönlicher, privater Rückblick sein – und im Privaten sage ich »Micki« und »Schmelle« und »Auba«, so wie andere Dortmund-Fans auch. Also:

Als Micki traf, war alles gut.

Sein Tor nach gerade mal vier Minuten brachte den BVB an der Anfield Road in Liverpool nicht einfach nur mit 1:0 in Führung, es war so etwas wie eine Garantie für den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Seit seinem Wechsel nach Dortmund hatte der Armenier nämlich in 31 Spielen für den BVB getroffen (in allen Wettbewerben). Und jedes einzelne davon hatte seine Mannschaft am Ende gewonnen! Selbst wenn diese unglaubliche Serie ausgerechnet jetzt – am 14. April 2016, exakt 970 Tage nach Mickis erstem Auftritt in Schwarz-Gelb – enden sollte, war immer noch alles gut. Das Hinspiel zwischen Borussia und Liverpool in Dortmund hatte 1:1 geendet, wir konnten also auch mit einem Unentschieden leben. Vor allem vier Minuten später.

Da traf Auba zum 0:2.

Den Fans der Heimelf, die nach dem 0:1 noch trotzig »Li-ver-pool« intoniert hatten, verschlug es für 40 Sekunden die Sprache. Sogar ihr Trainer wirkte schockiert. Und dieser Trainer, das muss ich wohl nicht extra erwähnen, hieß Jürgen Klopp. Dieses Detail allein hätte das Duell zwischen Dortmund und Liverpool schon zu einem außergewöhnlichen Spiel gemacht. Doch da war ja noch so viel mehr. Die Partie in Anfield fand ziemlich genau 50 Jahre nach dem Tag statt, an dem Dortmund durch ein 2:1 gegen Liverpool zum ersten deutschen Europapokalsieger wurde. Und vom gemeinschaftlichen Singen von »You’ll Never Walk Alone« will ich jetzt aus mehreren Gründen gar nicht erst anfangen. So wussten wir alle schon zur Pause, dass dies ein ganz besonderer Tag war.

Wir hatten ja keine Ahnung.

Nach wenigen Minuten der zweiten Hälfte kam Liverpool zum Anschlusstor, doch in der 57. Minute erzielte Reus das 1:3. Es sollte das Ende sein, war aber erst der Anfang. »Die Zeit« würde später schreiben: »Die meisten Fußballtrainer wollen Kontrolle über das Spiel, wollen Sicherheit. Jürgen Klopp nicht. Er möchte, dass das Spiel eskaliert.« Das ist unzulässig zugespitzt, denn wie jeder BVB-Fan weiß, basiert Klopps Vollgasfußball darauf, dass die Ordnung niemals verloren geht, dass seine Spieler zwar ein heißes Herz haben, aber eben auch einen kühlen Kopf.