Moment der Saison (4): Tasmania erreicht das Pokalfinale

Darauf einen Eierlikör!

Weil sein Verein einen grauenhaften Fußball spielte, machte sich 11FREUNDE-Mann Andreas Bock auf die Suche nach Alternativen. Er landete in Berlin-Neukölln, wo die schlechteste Bundesligamannschaft aller Zeiten den größten Erfolg seit über 30 Jahren feierte.

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Mein Verein war in letzter Zeit nicht gut zu mir. Er spielte einen grauenhaften Fußball und sammelte bis zum Ende der Saison lächerliche 27 Punkte. Er verlor Spiel um Spiel, mal 2:4 in Braunschweig, mal 1:3 in Augsburg, dann 1:5 zu Hause gegen Hoffenheim oder den FC Bayern. Er entließ zweimal seinen Trainer, er versprach alle paar Tage, dass alles besser werden würde und es jetzt endlich richtig losgehen würde, doch nichts wurde besser und nichts ging richtig los. Schließlich mühte er sich in zwei Relegationsspielen, und es war einem beinahe ein wenig unangenehm, sich über den Klassenerhalt zu freuen. Hatte sich der HSV das verdient?
 
Schon im Spätsommer 2013 ahnte ich, dass die Saison dreckig und unschön werden könnte. Die Spieler hießen Jacques Zoua, Robert Tesche und Heiko Westermann, und ihre Aktionen auf dem Feld versprachen schon damals nichts Gutes. Ich brauchte dringend eine Therapie. Oder zumindest ein bisschen guten Fußball. Also setzte ich mich aufs Fahrrad und fuhr los.
 
Mal landete ich im Berliner Umland, beim FSV 63 Luckenwalde Luckenwalde oder bei der VSG Altglienicke, mal kam ich nur ein paar Kilometer weit und saß im vielleicht schönsten Stadion Berlins – dem Hans-Zoschke-Stadion –, um das Oberliga-Spitzenspiel Lichtenberg 47 gegen Hansa Rostock II zu sehen. Bestes Wetter, mittelmäßige Wurst, schales Bier, grasbewachsene Stehtraversen und eine Beinahe-Prügelei zwischen Spielern und Fans. Ich hatte ganz vergessen, wie schön Fußball sein kann.

Der Jürgen Klopp der Berlin-Liga
 
Am schönsten war es allerdings bei mir vor der Haustür, direkt hinter dem Tempelhofer Feld, im Werner-Seelenbinder-Sportpark, Berlin-Neukölln, Heimstätte des SV Tasmania Berlin. Der Werner-Seelenbinder-Sportpark fasste einst 20.000 Zuschauer, heute passen immerhin 4000 hinein. Es gibt eine lautstarke Fangruppe (»Tasmanische Teufel«) und akzeptables Essen vom Grill. Manchmal geht es hier richtig heiß her, denn Trainer Abu Nijie ist so was wie der Jürgen Klopp der Berlin-Liga. Ein gewiefter Taktiker und Motivator, aber eben auch ein Hitzkopf. Manchmal baut sich der Schiedsrichter vor ihm auf und verweist ihn auf die Tribüne. Was allerdings nicht sonderlich schlimm ist, denn die Tribüne beginnt einen halben Meter hinter der Trainerbank.
 
Wie auch immer, der SV Tasmania Berlin ist der inoffizielle Nachfolgeverein des SC Tasmania 1900 Berlin, der wiederum als schlechtester Bundesligaverein aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging. In der Saison 1965/66 stieg die Mannschaft mit 8:60 Punkten und 108 Gegentoren sang- und klanglos aus der Bundesliga ab.
 
Die neue Tasmania hat in der jüngeren Vergangenheit allerdings eine kleine Erfolgsserie hingelegt. Noch 2009 spielte der Verein in der Bezirksliga. Er stieg auf in die Landesliga und dann in die sechste, die Berlin-Liga. Nun, drei Spiele vor Ende der Saison, trennt Tasmania nur ein Punkt von Tabellenführer Hertha 03 Zehlendorf. Der Aufstieg ist nah. Aber das ist eine andere Geschichte.

BAK mit Ex-Bundesligaspielern
 
Denn der wirklich große Triumph gelang Tasmania am 7. Mai 2014. Die Mannschaft traf im Halbfinale des Berlin-Pokals auf den Berliner AK, einen Regionalligisten, der in der vergangenen Saison mit einem 4:0 gegen Hoffenheim in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen war. Der BAK ist eine echte Hausnummer im Berliner Fußball. Auf der Trainerbank sitzt Dietmar Demuth, der früher beim FC St. Pauli und Bayer Leverkusen gespielt hat und Trainer von Eintracht Braunschweig oder Babelsberg 03 war. Im Kader stehen ehemalige Bundesligaspieler wie Marcel Höttecke (Borussia Dortmund und Union Berlin) oder Lennart Hartmann (ehemals Hertha BSC). Stürmer Serhat Akin hat zwischen 200ß0 und 2005 sogar über 150 Profispiele für Fenerbahce, den RSC Anderlecht und den 1. FC Köln bestritten. Beinahe hätte er mit der Türkei sogar an der EM 2004 teilgenommen, doch die Mannschaft scheiterte in der Relegation an Lettland.

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