Moment der Saison (1): Flower Power in Braunschweig

Ein treuer Trainer

Lieberknecht machte mit seiner Art bundesweit auf sich aufmerksam, nicht wenige Bundesligavereine werden ihn bei ihrer Trainersuche auf dem Zettel gehabt haben. Doch er verkündete sein Bleiben in Braunschweig – trotz Abstieg und trotz der begrenzten finanziellen Mittel. Das ist in Zeiten, in denen Trainer aufgrund der Suche nach »neuen Herausforderungen« Verträge aussetzen, mindestens bemerkenswert.

Zu guter Letzt spiegelte sich in der Szene mit Lieberknecht und dem Blumenmädchen eine Besonderheit dieser Saison wider: der harmonische Umgang zwischen Fans und Mannschaft im Abstiegskampf. In jüngerer Vergangenheit waren Busblockaden oder in Rauchschwaden versunkene Fanblöcke nicht selten, man denke nur an den Abstieg des 1. FC Köln 2012. Bilder von derlei Drohszenarien mag es auch in dieser Saison gegeben haben, in Hannover, Dresden oder Hamburg. Allerdings überwog der Eindruck von einem gelebten Schulterschluss allerorten.

Einheit made in Braunschweig

In Nürnberg trieben die Fans ihre Mannschaft mit dem Slogan »Ich bereue diese Liebe nicht« an und starteten vielfältige kreative Aktionen. In Hamburg sammelten sich Hunderte beim Training, um der Mannschaft trotz desaströser Vorstellungen Mut zuzusprechen. In Stuttgart vereinten sich Fanszene und Verein unter dem Motto »Zusammenhalten«, selbst die lokale Presse ließ sich einspannen. Statt einer Busblockade bildeten die Anhänger ein Busspalier für ihre Mannschaft. Die VfB-Verantwortlichen priesen die neue Einheit als Wegbereiter für die Wende im Abstiegskampf. In Braunschweig lebten sie diese seit Saisonbeginn vor – auch wenn es am Ende nicht für den Klassenerhalt reichte.