Mittelmäßige Fußballer der Bundesligahistorie (11)

Kölner Stolperkönig

Sein Manager taufte ihn »Königstransfer«, sein Trainer nannte ihn »Stolperkönig«. Holger Gaißmayer hatte eine sagenhafte Torquote – allerdings nur in den unteren Ligen.

imago

Substantiv, maskulin: Abstieg, der

a) das Abwärtssteigen von einer Erhöhung, aus der Höhe
b) abwärtsführender Weg
c) Niedergang

Und wenn es nach dem ein oder anderen Ballsportfanatiker aus dem Rheinland ginge, sollte man außerdem ein Bild von Holger Gaißmayer anhängen. Bevor der Duden Fotos in sein Repertoire aufnimmt, wird Gaißmayer dann wohl maximal noch im Fußballmanager trainieren. Dazu schaut aber lieber mal unter »These, gewagt« nach.

Wie also schlägt ein Abstieg so rasant ein? Und wie kam er überhaupt erstmal so weit nach oben? Denn die Story erinnert ja doch irgendwie an den legendären Elefanten, der nach dem Lebenshöhepunkt zum Sterben zurück zu seiner Geburtststätte kehrt. In beiden Fällen wäre das RW Oberhausen.

Vom »Königstransfer« zum »Stolperkönig«

Gaißmayer legte dort richtig los, 69 Hütten schweißte er in 108 Spielen Anfang der Neunziger in der Ruhrpott Regionalliga West/Süd-West ein. Zum Vergleich: ein Elefantenherz schlägt nur etwas seltener, nämlich alle 30 Minuten (zu). Beim 1. FC Köln wurde er dann endgültig zur Legende, holte im entscheidenen Spiel der Saison 1995/96 gegen die Hansa mit seinem Treffer die Kohlen für die Domstädter aus dem Feuer und verhinderte mal eben den Abstieg.

Dennoch fiel er durch seinen elefantengleichen, wenig geschmeidigen Spielstil in Ungnade. Sein damaliger Dompteur Bernd Schuster taufte den Königstransfer zum »Stolperkönig« um und sagte, es »für jeden Stürmer die Höchststrafe, neben ihm zu spielen«.

86 Spiele, 101 Tore

Der elefantengraue Alltag erhielt Einzug: Die Rückkehr zu RWO blieb erfolglos, kürzere Stationen in den unteren Ligen des Ruhrgebiets halfen ihm auch nicht wieder auf die Beine. Selbst die Alpenüberquerung, wie sie Hannibal nicht besser hätte planen können, reichte lediglich bis Schwarz-Weiß Bregenz und endete nach nur sieben Spielen wieder in der Heimat.

Immerhin in der Landesliga trumpfte Gaißmeyer noch einmal richtig groß aus. Für den FSV Vohwinkel schoss er in 86 Spielen sagenhafte 101 Tore. Das ist mindestens eine Verneigung wert.

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