Mit Dieter Schatzschneider durch Hannover

Laut trampelnd im Porzellanladen

Aber ist er nicht eben doch der Einflüsterer von Martin Kind? Der Präsident schaut angesichts dieser Frage abschätzig, während es nach dem Businessfrühstück wieder zurück geht durch die niedersächsische Provinz: »Ich höre Schatzschneider gerne zu, aber das heißt nicht, dass ich seine Empfehlung berücksichtige.« Das »nicht« betont Kind nachdrücklich. »Ich habe eine ausgeprägte eigene Meinung.«

Man darf nicht vergessen, dass Männer wie Kind ständig von Ja-Sagern umgeben sind und solchen, die vor allem sein Geld wollen. Er hat daher zu schätzen gelernt, wenn Gegenüber eine eigene Meinung vertreten und nicht eine, die ihm gefallen soll. Außerdem sieht der nüchtern-rationale Unternehmer heftige Diskussionen und selbst lauten Streit nicht negativ. »Das braucht man, um Entwicklungsprozesse in Gang zu setzen«, sagt Kind. Also nimmt er es in Kauf, dass immer wieder einer anruft, weil Schatzschneider laut trampelnd durch den Porzellanladen gelaufen ist. Dann ermahnt Kind ihn, aber vermutlich eher pflichtschuldig.

Für Kind hätte er sich fast geprügelt

Kind hat erkannt, dass der ehemalige Superegoist keine egoistische Agenda mehr hat. Auch Jörg Schmadtke, der sich mit Schatzschneider inzwischen wieder versöhnt hat, sagt: »Der ist nicht politisch unterwegs.« Und so mögen Schatzschneider und Kind ein noch so seltsames Paar sein, es eint sie der unbedingte Wunsch, dass es Hannover 96 gut geht. Über die Jahre mag dabei auch so etwas wie eine Freundschaft entstanden sein zwischen den ungleichen Männern, die sich immer noch siezen, weil Schatzschneider das so möchte. »Ich liebe meine Familie, und sie genießt meinen besonderen Schutz. In die Kategorie ist auch Martin Kind bei mir aufgestiegen, ein größeres Kompliment kann ich ihm nicht machen«, hatte er gesagt, als Kind nicht dabei war.

In Braunschweig und in Dortmund hätte er sich für den Mann, den er »meinen Boss« nennt, sogar fast geprügelt. »Zwei oder drei würde ich auch heute noch mit ins Grab nehmen.« Jetzt peitscht er Kinds Dienstwagen auf 240 Stundenkilometer hoch und grinst. Er liebt es, mit dem dicken Schlitten herumzubrettern. Aber es spielt bestimmt auch die Vorfreude auf die Leckereien aus dem Präsentkorb der Sehnder Geschäftsleute eine Rolle, der im Kofferraum natürlich auf niemand anderen wartet als auf ihn.