Mit Claudio Pizarro auf der Fruit Logistica

Willkommen in Absurdistan

Was macht Claudio Pizarro auf einer Frucht-Messe? Ein Ortsbesuch zwischen Schreck, Schönheit und verzweifelten Bossio-Rufen.

11FREUNDE

Manchmal ist alles ganz einfach. Beispiel: Wer Claudio Pizarro sieht, will Claudio Pizarro sein. So erzählen es die, die ihm bereits begegnet sind. Und wer würde daran zweifeln?

Also auf zur Messe, auf zur Fruit Logistica, in deren Rahmen der erfolgreichste ausländische Bundesligastürmer aller Zeiten an diesem Donnerstagnachmittag für sein Heimatland gerade steht. »Tauschen Sie sich bei peruanischen Köstlichkeiten und einem Pisco Sour mit dem Fußballstar aus und erfahren Sie dabei mehr über peruanische Superfoods«, heißt es im Pressetext der Einladung und »im Namen von Handelsminister Eduardo Ferreyros«. Zu einem Pisco Sour habe ich noch nie nein gesagt, sage ich mir, nachdem ich gegoogelt habe, was das ist. Zu einem Ferreyros übrigens auch nicht.

Ein Leben den Früchtchen

Die Kollegen in der Redaktion geben mir gute Wünsche mit auf den Weg. Ich soll Pizarro fragen, was er von Bananenflanken hält. Ob er er sich als freches Früchtchen bezeichnen würde. Und wie es sich so läuft in Bremen, in den Fußstapfen von Kiwi. 

Unmöglich, denke ich, denn leider findet die Veranstaltung bereits um 17.30 Uhr statt. Ich bin also noch nüchtern.  

Auf dem Weg vom S-Bahnhof zur Messehalle kommen einem geschäftige Menschen entgegen, deren Tagwerk bereits vollbracht ist. Sie sehen ganz normal aus, bis man sich gewahr wird, dass sie den Bärenanteil ihres Lebens Früchtchen widmen. Und nicht jeder Traum behält seinen Zauber länger als fünf Sekunden, wenn man nur mal drüber nachdenkt. Denke ich.

An Miss Chiquita und Miss Pink Lady vorbei zum Pizza-Express

Drinnen ein ähnliches Bild. Auf dem Weg zum Pizza-Express an Menschen in Anzügen und strengen Geschäftskleidern vorbei, die neben Regalwänden voller kleiner Cherry-Tomaten stehen und sich vielsagend, Zeigefinger unter schüttelnde Köpfe stützend, unterhalten. Willkommen in Absurdistan. 

Schnell vorbei noch an Miss Chiquita (eine sehr schöne Frau) und Miss Pink Lady (nicht unbedingt eine Frau), vorbei an allerlei Dingen, die entweder Frucht sind oder mit Frucht zu tun haben, haben sollen. Mancher Stand wirkt aus der Ferne doch eher wie übrig geblieben von der Venus, der jährlich hier stattfindenden Sexmesse.

Halb Peruaner, halb Ekstase

Dann endlich Ankunft in Peru, 17.23 Uhr. Um Stand B.13 in Halle 25 tumultet es schon. Und siehe da: Pizarro ist längst da, längst mittendrin. Umgeben von einer Traube Menschen, die alle nur noch eines wollen: Claudio. Egal wie.

Doch erstmal ist Ratestunde angesagt, wird das Publikum durch einen Tisch als Grenze auf Distanz gehalten. Mein spanisch bewegt sich ungefähr auf einer Stufe mit meinem elbisch oder klingonisch, aber so viel verstehe ich doch: »Wie heißt Claudio Pizarro mit zweitem Vornamen?« Ein Mann, halb Peruaner, halb Ekstase, schreckt hoch und springt sich zu einer Körpergröße, die das Vielfache dessen misst, was die Natur für ihn vorgesehen hat.