Mit Amateuren und Futsal-Profis zum Länderspiel

»Eine sehr unglückliche Situation«

Und die Dänen? Beschuldigen sich nun gegenseitig: »Wir sind in eine sehr unglückliche Situation manövriert worden«, heißt es von DBU-Seite. Nationalmannschafts-Kapitän Simon Kjaer vom FC Sevilla kontert: »Der Verband möchte es so aussehen lassen, als ob wir Spieler nicht antreten wollen würden, dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. Für uns ist offensichtlich, dass die DBU nicht an einer schnellen Lösung interessiert war. Wir fürchten nun die Konsequenzen für den dänischen Fußball.«

Nationalcoach Aage Hareide bangte derweil auch um sein persönliches Ansehen und bat den Verband, vorläufig nicht an der Seitenlinie stehen zu müssen. Auch seinem Assistenten Jon Dahl Tomasson bleibt diese Peinlichkeit erspart. Als Interimstrainer fungiert stattdessen Dänemarks Europameister-Legende John »Faxe« Jensen, doch der mag sich darüber kaum freuen: »Ich habe Ja gesagt, weil ich die Nationalmannschaft als Institution ansehe. Ich sehe jedoch nur Verlierer in diesem Konflikt, und am meisten verliert der dänische Fußball.«   

Völlige Ahnungslosigkeit der Funktionäre

Streikende Nationalspieler? Das kannte man bislang vor allem von afrikanischen Auswahlmannschaften, wenn die versprochenen Prämien für eine erfolgreiche WM- oder Afrika-Cup-Qualifikation mal wieder in irgendwelchen Funktionärs-Taschen versickert waren. Aber – Dänemark? Ja, Dänemark. Der aktuelle Streik ist schon der zweite Fall dieser Art bei der DBU. Im Vorjahr ließ die dänische Frauen-Auswahl, immerhin aktueller Vize-Europameister, ein Qualifikationsspiel gegen die Nachbarinnen aus Schweden platzen – auch hier ging es u.a. um Versicherungsleistungen für die Spielerinnen.

Schon damals konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass es nicht allein ums Geld ging, sondern auch um Ego-Pflege, um alte Rechnungen und um Grundsätzliches. Keine der Streit-Parteien wollte sich eine Blöße geben und einknicken. Gelöst wurde das Problem ausgerechnet dadurch, dass Dänemarks Herren-Nationalteam auf einen Teil seiner Prämien verzichtete – zugunsten der Frauen. Gleichzeitig positionierten sich Eriksen, Schmeichel, Kjaer & Co. jedoch klar gegen den Verband, dem sie zuletzt immer unprofessionelle Trainings- sowie Therapiebedingungen sowie völlige Ahnungslosigkeit seiner Funktionäre vorwarfen.

Um es mit Shakespeare zu sagen: Es ist etwas faul im Staate Dänemark.