Mit 8000 Rangers-Fans in Leipzig

»Es war ein Blockbuster«

8000 Schotten reisen nach Leipzig – zu einem Testspiel. Da bleibt keine Kehle trocken. Rangers-Fan Jamie Currie berichtet von einem großartigen Wochenende.

imago

Das Testspiel beinhaltete eine besondere Note: Der meistgehasste Verein Deutschlands misst sich mit dem meistgehassten, aber auch erfolgreichsten Klub Schottlands. Der eine wird wegen seines Firmeneinflusses verabscheut, der andere wegen seiner Hartnäckigkeit, trotz aller Mordversuche 2012 mit dem angeordneten Zwangsabstieg doch noch weiter zu existieren. Und wie!

Es scheint besonders, dass 8000 Auswärtsfans zu einem Testspiel anreisen, doch für die Rangers ist das normal. Schon von Beginn meiner Reise an, am Freitagmorgen, waren die Fans guter Stimmung. Angekommen in Leipzig, nahmen die Fans trotz des Schneefalls und Temperaturen nahe null Grad den Leipziger Marktplatz ein und mischten sich unter die Einheimischen, die ob der schieren Masse an Auswärtsfans sehr ehrfürchtig wirkten. Viele schossen Fotos oder filmten die Szenerie. Gerade wenn man im Hinterkopf behält, dass schon Auswärtsfans von Borussia Mönchengladbach oder Dortmund hier waren, ist das ein echtes Kompliment.

Doch nicht nur der Marktplatz war gefüllt mit Rangers-Fans. In guter schottischer Tradition quollen auch die umliegenden Pubs über, bis in den Sonntagmorgen hinein wurden hier die Biere in rauen Mengen hinunter gestürzt. Und: Kein Song wurde dabei ausgelassen: Von »Follow Follow« bis zu »The Blue Sea of Ibrox« intonierten die Rangers leidenschaftlich ihr komplettes Liedgut.



Auch Deutsche unter den Schotten

Dabei waren es nicht nur die schottischen Fans, die zu dieser Atmosphäre beitrugen. Ich habe mit Stefan aus Düsseldorf gesprochen, der einige Stunden Anreise auf sich genommen hatte, um dieses Spiel mitzunehmen. Ich fragte ihn, warum er die Rangers anfeuere? Er erzählte, dass die Rangers ihn seit 1987 nicht mehr losgelassen hätten. Dann öffnete er den Reißverschluss seiner Jacke. Zum Vorschein kam ein Shirt aus jenem Jahr, das an Graeme Souness erinnerte. Stefan erzählte von den anderen Spielen in Deutschland, in denen er die Rangers begleitet hatte, natürlich auch von dem 2:0 in Leverkusen 1998. Außerdem tummelten sich einige Fans aus Bochum in Leipzig. Sie waren sehr herzlich und unterstützten ebenfalls die Rangers.

Der Transport zum Stadion mit der Tram war ausgezeichnet, alles verlief reibungslos. Ich war zum ersten Mal in Deutschland und finde, dass sich Großbritannien in diesem Punkt einiges abschauen kann. Eine Sache störte mich allerdings innerhalb des Stadions: der Eingang zum Block. Dort waren unglaublich viele Treppenstufen, die man hinter sich lassen musste, um überhaupt hineinzukommen. Viele ältere Fans, einer mit einem Krückstock, mussten sich wirklich abmühen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Fans im Rollstuhl es überhaupt ins Innere des Stadions schaffen sollen. Ich zumindest habe keinen anderen Weg als jenen über die endlosen Stufen gesehen.