Mimoun Azaouagh über die Vorwürfe in der »Bild«-Zeitung

»Ein ganz schöner Abstieg«

Spielen Sie derzeit Fußball?
Nur privat. Ich bin seit einem Jahr vereinslos. Doch ich habe richtig Bock, wieder zu spielen.

Sie waren in Mainz ein gefeierter Jungstar. Nach der Station auf Schalke ging es zurück nach Mainz, nach Bochum und Kaiserslautern, zuletzt spielten Sie dort in der zweiten Mannschaft...
Sie meinen: ein ganz schöner Abstieg.

Wir fragen uns, wie Sie auf Ihre Karriere blicken.
Sagen wir es so: Für die Ansprüche, die ich in meinen jungen Jahren hatte, war es zu wenig. Auf der anderen Seite bin ich auch jemand, der Spaß beim Fußball braucht. Letztens habe ich ein Interview mit José Mourinho gelesen, in dem er über Kevin de Bruyne sprach. Er sagte sinngemäß: »De Bruyne wollte das hundertprozentige Vertrauen und die Sicherheit, das konnte ich ihm nicht geben. Daraufhin hat er zugemacht.«

Also haben auch Sie zugemacht wie de Bruyne?
Nein, ich will nur sagen: Ich muss mich wohl fühlen, dann geh ich ins Dribbling und habe keine Angst, dass ich den Ball verliere. Wenn ich das Vertrauen spüre, gelingt mir fast alles. Das war eine Zeit lang in Bochum unter Friedhelm Funkel so. Deshalb war ich auch so lange in Bochum und habe mit den meisten auch noch solch einen guten Kontakt, mit einem Marc Pfertzel, Antar Yahia, Paule Freier.

Nach Ihren ersten Bundesligaspielen sprach ganz Fußball-Deutschland über Sie. Sind Sie da abgehoben?
Hundertprozentig. Ich hatte aus der ganzen Liga Angebote, Jürgen Klinsmann wollte mich bei der WM 2006 dabeihaben. Vielleicht war es ein Fehler, als junger verletzter Spieler zu einem neuen Verein zu gehen. Ich hätte in Mainz bleiben sollen. Aber Schalkes Manager Rudi Assauer und Trainer Ralf Rangnick waren der Wahnsinn, sie haben sich unglaublich für mich eingesetzt.

Sie hatten viele Verletzungen und konnten sich auf Schalke nie durchsetzen.
Kreuzband, Meniskus, Innenband komplett zerrissen und die Kapsel durch. 15 oder 16 Monate war ich weg, das war eine harte Zeit. Ich war lange in der Reha ohne Kontakt zum Team. Als ich dann fit wurde, hat Assauer Rangnick entlassen. Nachfolger Mirko Slomka war ein sehr guter Trainer, aber hat nicht auf mich als Spielertyp gestanden.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre bisherige Karriere?
Bochum war richtig geil, da habe ich mich sehr wohl gefühlt. Der einzige Grund, warum ich den VfL verlassen habe: Nach acht Jahren im Ruhrgebiet hatte ich Heimweh. Ich bin im letzten Bochumer Jahr fast jedes Wochenende nach Hause gefahren, zu meiner Familie.

Sie gingen dann zum FCK.
Ich wollte zu meinem Herzensverein FSV Frankfurt. Das hat leider nicht geklappt, dafür Kaiserslautern. Es lag nur 130 Kilometer entfernt, das passte. Die Zeit unter Franco Foda war super, der hat sich nicht reinreden lassen. Doch Kosta Runjaic teilte mir dann mit, dass der FCK nicht mehr mit mir plane. Er sagte: »Das war nicht meine Entscheidung.« Okay, das habe ich akzeptiert.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Ich bin erst 32, fühle mich gut und wäre mir auch nicht zu schade, irgendwo vorzuspielen. Ich glaube, ich kann mit meiner Qualität immer noch Mannschaften weiterhelfen.