Miloslav Penners Frisur toppte sogar Mike Werners Vokuhila

Der Prinz von Bel-Hair

Nichts gegen Mike Werner! Aber die die irrste Haarskulptur der Neunziger trug der Tscheche Miloslav Penner. Nach langer Suche haben wir ihn ausfindig gemacht.

Katharina Metschl
Heft: #
Spezial 08

Auf Mike Werner konnte man früher ein wenig neidisch sein, zumindest wenn man schon mit Mitte 20 erkennen musste, dass das eigene Haarmaterial nicht mal mehr für einen Klappscheitel reichte. Beim Rostocker wehte die Frisur indes pittoresk im Wind, wenn er über den Platz grätschte, und die Fans waren sich sicher, dass er, wäre er nicht Fußballer geworden, eine Karriere bei Mötley Crüe hingelegt hätte.

Als 11FREUNDE ihn mal auf seinen spektakulären Vokuhila ansprach, sagte er: »Sah doch gut aus!« Und schob nach: »Die Spieler aus dem Osten visualisierten mit solchen Frisuren eine rebellische Haltung zum gleichförmigen DDR-Staat.«

Michael Eggert, der menschgewordene Pudel

Werner war natürlich nicht der einzige Fußballprofi, der seine Haare zum Kunstwerk modellierte. Über Fußballerfrisuren der Achtziger und Neunziger könnte man vermutlich ganze Doktorarbeiten verfassen. Manchmal schien es sogar, als würde es einen Wettstreit zwischen den Profis geben. Präsentierte der eine am Wochenende einen Tigerkopf im Haar, zeigte der nächste in der Woche darauf grüne Rastazöpfe, bis ein dritter mit dem perfektionierten Minipli konterte.

2007 stellte 11FREUNDE ein Frisurenranking auf, in dem Michael Eggert mit seinem riesenhaften Lockenschopf, in dem er vermutlich sogar einen Kleinwagen verstecken konnte, den ersten Platz belegte. Der ehemalige Bochumer war übrigens nicht erbost über den Ausgang der Wahl, im Gegenteil: Er schrieb uns prompt einen Brief, in dem er sich herzlich für die Auszeichnung bedankte.

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Es ist nicht bekannt, ob Eggert und die anderen Prinzen von Bel-Hair den Ehrgeiz bei Miloslav Penner weckten, endlich auch nach der Krone zu greifen. Jedenfalls tauchte wenige Wochen nach Eggerts Sieg ein Bild jenes bis dato recht unbekannten tschechischen Verteidigers im Internet auf, das alles Dagewesene in den Schatten stellte: die Softerotikdarsteller-Frisuren aus den Achtzigern (Ralf Falkenmeyer, Gernot Alms) oder die wilden Farbflechtkreationen der Neunziger (Abel Xavier, Taribo West). Selbst über Kevin Kampls Miley-Cyrus-Imitation würde Penner heute nur schmunzeln.



Nie zuvor und nie danach gestaltete ein Profi seine Haare mit einer solch wilden Entschlossenheit wie dieser Abwehrrecke. Es war der ultimative Vokuhila. Das Bild verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Miloslav Penner, der trotz einer respektablen Karriere in Tschechien nie internationale Prominenz erlangte, war plötzlich der König der Fußballblogs und Frisurenrankings. »Es ist zu schön, um wahr zu sein!«, schrieben sie. Oder: »Stil hat einen Namen!«

Wir brauchten Jahre, um diesen Mann ausfindig zu machen – niemand hatte seine Nummer, niemand kannte seinen Wohnort. Erst im Sommer 2015 bekamen wir einen Tipp, wenig später hatten wir Penner endlich an der Strippe. Das Interview lest ihr auf Seite 2.