Millionentransfers und die Folgen

Die Krankheit zum Tode

125 Millionen Euro wollte ManCity für Kaka ausgeben, weitere 20 Millionen für den Holländer Nigel de Jong überweisen. Mit Verlaub, aber: Das ist krank! Ein Plädoyer für Obergrenzen bei Transfers und Profigehältern.  Millionentransfers und die FolgenImago Man liest solche Meldungen und schüttelt reflexartig den Kopf: Für 125 Millionen Euro will der englische Premier-League-Klub Manchester City Brasiliens Kaka beim AC Mailand loseisen. Rund 80 Mio. Euro soll der Weltfußballer von 2007 in fünf Jahren auf der Insel verdienen. Netto, versteht sich.

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Weitere 20 Mio. Euro will City- seit Jahren im Schatten des Lokalrivalen ManU und deshalb gerne auch als »das kleine Manchester« verspottet - für den Holländer Nigel de Jong an den Hamburger SV überweisen. Ein Spieler, der vornehmlich durch Undiszipliniertheiten und Verletzungen auf sich aufmerksam macht und überdies im Sommer für festgeschriebene zwei Millionen Euro Ablöse zu haben wäre. Zwei Transfers mit einem Bruttovolumen von über 300 Mio. Euro, finanziert von Öl-Scheichs aus dem Orient.

Mit Verlaub, aber: Das ist krank!

Dass sich der Fußball verkauft in seiner unersättlichen Gier und dabei nicht einmal mehr rot wird vor Scham, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt.  Dass durchgeknallte Vereinsfunktionäre ihn vorsätzlich kaputt machen, daran allerdings mag man sich als Fan nicht gewöhnen. Angesichts des Wahnsinns, der sich in Manchester andeutet, scheint es überhaupt nur eine Lösung zu geben: Der Fußball-Weltverband FIFA muss dem ruinösen Treiben ein Ende setzen. Mit Gehaltsobergrenzen wie sie im nordamerikanischen Profisport seit vielen Jahren funktionieren. Und mit Obergrenzen auch für Transfers, die sich orientieren müssen am Umsatz der Klubs. Andernfalls ist es eine Frage der Zeit, wann der europäische Spitzenfußball kollabiert.

Genau genommen ist er's längst: Die Serie A, Top-Liga im Lande des amtierenden Weltmeisters Italien, versinkt seit Jahren in einem Chaos aus Schulden, Bestechung, Manipulation und (rechts-)radikalen Ultras.

Schulden in Millliardenhöhe

Die Primera Division im Land des amtierenden Europameisters Spanien macht vornehmlich durch die immer neuen Eskapaden von Micky-Maus-Klub Real Madrid von sich reden, bei dem Geld noch nie eine Rolle gespielt hat. Den FC Valencia drücken Verbindlichkeiten in einer Größenordnung von angeblich mehr als 650 Millionen Euro. Und dann England mit seiner Premier League, der zurzeit wohl stärksten Liga der Welt. Allein die beiden Spitzenklubs ManU und FC Chelsea sollen mit je fast einer Milliarde Euro verschuldet sein.

Weshalb der russische Öl-Gigant Roman Abramowitsch, dessen Privatvermögen durch die Finanzkrise von 17 auf nur noch gut zwei Milliarden Euro schmolz, offenbar den Spaß am Ballack-Klub verloren hat. Mit 450 bzw. 400 Mio. Euro stehen Liverpool und Arsenal in der Kreide, rund 220 Mio. Euro sollen es bei Manchester City sein - da kann man doch guten Gewissens noch mal 300 Millionen für Kaka und de Jong nachlegen.

Deutsche Vereine müssen sich gedulden


Die deutschen Vereine, die gerne beklagen, dass sie nicht mehr mithalten können auf dem Transfermarkt - und deshalb im Europapokal kein Bein auf die Erde bekommen: Sie müssen sich einfach nur ein wenig gedulden. Irgendwann haben sich die Konkurrenzligen selbst vernichtet. Dann gewinnt der FC Bayern München wieder die Champions League: gegen Anorthosis Famagusta. Oder CFR Cluj. Oder FC Bate Borisov. Oder gleich kampflos.
 

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