Michael Rensing, unkonventionell

Der Torwart spielt Billard

Nicht nur Luca Toni debütierte gegen Steaua Bukarest in der Königsklasse - sondern auch  Michael Rensing. Er zeigte dabei unter anderem eine sehenswerte Fußparade. Für Löw ist Rensing aber weiter ein unbekanntes Wesen. Michael Rensing, unkonventionellImago Mit konzentriertem Blick war Michael Rensing dem Mannschaftsbus entstiegen, er ignorierte den fiesen Nieselregen ebenso wie das mit Schlagstöcken und grimmigem Blick bewaffnete Empfangskomitee der Bukarester Jandarmeria. Rensing, so sah das aus, wirkte nicht sonderlich nervös vor seinem ersten Einsatz in der Champions League als Nummer eins des FC Bayern. Aber ein echter Debütant ist er ja auch schon lange nicht mehr; Oliver Kahn hat zwar erst kürzlich Platz gemacht, doch seit Februar 2004 hat der blonde Torsteher immer wieder den Ernstfall proben dürfen (zweimal auch in Europas Bestenliga).

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Dass er zudem ein recht besonnener Charakter ist, hatte Rensing vor dem Abflug in München bewiesen. Ob er nicht das Maskottchen sei, wo er nun doch schon insgesamt 27 Bundesligapartien für die Münchner ohne Niederlage hinter sich gebracht habe, wollte jemand vom Privatradio wissen. Rensing entgegnete trocken: »Nee, ich bin der Torwart.« Rensing, 24, ist Niedersachse.

Seitdem Jens Lehmann den Staatsdienst im deutschen Tor quittiert hat und seine Karriere in Stuttgart ausklingen lässt, diskutiert die Nation über den richtigen Nachfolger. Rensings Name fiel in dieser Debatte erstaunlich selten. Neben der logischen Wahl René Adler gelten der aktuelle Platzhalter Robert Enke, der Schalker Manuel Neuer und sogar der vom DFB lange ignorierte Bremer Tim Wiese als Kandidaten.

Beckenbauer ist schon ungeduldig

Für Bundestrainer Löw ist Rensing eben doch noch ein unbekanntes Wesen, ohne Frage ein herausragendes Talent, das sich jedoch zu bewähren hat. Die Startphase der Saison hat ihm noch keine Einträge in die Hitliste der schönsten Flugeinlagen ermöglicht, Rensings Schuld war das nicht. Franz Beckenbauer äußerte vor der Partie im zugigen Steaua-Stadion bereits ungeduldig, er warte noch auf Rensings Abwehr »eines Unhaltbaren«.

Dem Mann konnte bis zur Pause noch nicht wirklich geholfen werden, obwohl Rensing zweimal spektakulär im Brennpunkt stand. Nachdem ihn Morenos linkes Ding mit der Pieke nicht herausforderte (9.), gab sich Lovin aus 20 Metern weitaus mehr Mühe. Den wuchtigen Distanzschuss klatschte Rensing mit den Fäusten nur zur Seite, Semedos Nachschuss landete am Außennetz (21.). Noch unkonventioneller geriet Rensings Reaktion auf nächsten Morenos Flachschuss: Der nasse Ball sprang noch kurz vor ihm auf, und Demichelis stand Rensing vielleicht sogar im Sichtfeld - erst im letzten Moment lenkte er die Kugel mit seinem linken Schuh gegen den rechten Pfosten. Das Billardspiel überstand Rensing mit einem Schrecken (31.).

Nach solch abenteuerlichen Einlagen hat sich Beckenbauer vermutlich nicht gesehnt, doch sollte die Umstände in sein letztinstanzliches Urteil einfließen lassen. Schon nach der ersten Platzbesichtigung am Dienstagabend hatte Manager Hoeneß erbost über »eine Wiese« geflucht, der Dauerregen am Spieltag verwandelte sie in ein Querfeldeingeläuf. Vermeintliche Pflichtaufgaben wie Székelys Versuch (49.) gerieten da zwangsläufig zur heiklen Mission. Den rumänischen Jubel nach Székelys vermeintlichem Abstauber beendete außerdem der Referee - Rensing hatte nach der Parade gegen Moreno und einem leichten Fangfehler noch die Hand am Ball (76.). Zuvor hatte gegen Arthuro (57.) erneut der rechte Pfosten geholfen. Vielleicht ist Rensing also kein Maskottchen. Sondern ein Glückskind.