Mexikanischer Klub lässt Fans über Taktik und Aufstellung entscheiden

Big Brother in Mexiko

Selbst die Mannschaftskabine ist bei Murciélagos FC keine Tabuzone. Sandovals Halbzeitansprache wird ebenfalls live in die Wohnzimmer der Fans übertragen. »Big Brother« lässt grüßen. Dabei muss Sandoval seine Worte gut abwägen. Denn letztlich geht es auch um seinen Job. Sind die Fans mit seinen taktischen Winkelzügen zufrieden, können sie ihm Pluspunkte, sogenannte »Vidas« (deutsch: Leben), gutschreiben. Diese gibt es auch für jedes gewonnene Spiel – bei Kantersiegen sogar noch ein paar obendrauf.

Noch 19 Leben
 
Somit ist Sandoval ständig der Gunst der Fans ausgesetzt. Doch statt sich zu beklagen, sieht er die Aufgabe als Herausforderung: »Auf diese Art achte ich noch mehr auf jedes Detail und werde dadurch immer professioneller.« Nach einem Punkt aus zwei Partien in der laufenden Spielzeit bleiben »Katze« Sandoval noch 19 »Leben«.
 
Der »elektronische Trainer« (»DT Electrónico«) könnte Schule machen. Davon gehen zumindest die Brüder Favela aus. Sie haben sich die Idee vorsichtshalber registrieren lassen. Während auch andere Klubs wie Ebbsfleet United aus England oder der Monmouth Town in Wales bereits versucht haben, ihre Fans direkter an sportlichen Entscheidungen zu beteiligen, nehmen die Bosse von Murciélagos FC für sich in Anspruch, in Sachen Internet-Trainer weltweit eine Vorreiterrolle zu spielen.
 
Eine Ausgabe von Aktien ist künftig ebenfalls geplant. »Das Ziel ist es, in fünf bis sechs Jahren in der ersten Liga anzukommen«, sagt Elias Favela. »Mit unser DNA, dem elektronischen Trainer.«