Messis Steuern, Neymars Transfer, Fifa-Strafe: Barca und der Imageschaden

Barcas schwerste Krise

Es könnte jedoch genau so gut sein, dass der Fifa der Tipp aus den eigenen Reihen zugespielt wurde. Der FC Barcelona ist seit jeher für seine selbstzerstörerischen Kräfte berüchtigt. Jüngstes Beispiel war die Affäre um die Verpflichtung von Neymar. Im Januar hatte ein Vereinsmitglied Präsident Sandro Rosell wegen Unregelmäßigkeiten beim Transfer des Brasilianers vom FC Santos angezeigt. Diese bewahrheiteten sich, Rosell trat zurück und Bartomeu übernahm.

Nun muss der neue Präsident gleich zu Beginn seiner Amtszeit die schwerste Krise in der jüngeren Geschichte des Klubs bewältigen. Das Bild des FC Barcelona hat in den vergangenen zwölf Monaten gewaltig gelitten. Zuerst waren da die Anschuldigungen gegen Lionel Messi. Ihm und seinem Vater wurde Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zur Last gelegt. Die Messis stritten alles ab, zahlten aber sicherheitshalber doch 15 Millionen Euro an den spanischen Fiskus nach. Kurz darauf wurden Messi Senior sogar Kontakte zur kolumbianischen Drogenmafia nachgesagt.

Das Saubermann-Image bröckelt

Kaum war Messi aus den Schlagzeilen, erschütterte der »Fall Neymar« den Verein. Um Steuern zu sparen, hatte man die Ablösesumme auf 57,1 Millionen Euro angegeben. Inzwischen hat der Verein diese auf rund 86 Millionen korrigiert, einige Medien redeten sogar von 100 Millionen. Steuerhinterziehung, interne Intrigen und dazu die Kritik an der Nähe des Klubs zum Golfstaat Katar - das Sauberimage bröckelte.

Jetzt geht es jedoch um Grundsätzliches. La Masia, das Ausbildungszentrum, ist das Heiligtum des FC Barcelona. Die Strafe der Fifa betrachtet Barcelona als Angriff auf die eigene Identität. Seit Pep Guardiola eine Jahrhundertmannschaft aus hauseigenen Talenten geformt hat, gilt die Nachwuchsausbildung des FC Barcelona als die beste der Welt. Xavi, Iniesta, Pique, Puyol, Valdes, Busquets und Messi – sie alle entstammen La Masia. Die Treue zum eigenen Stil wurde zur weltweiten Referenz, Trainer wie Joachim Löw besuchten Spiele der Nachwuchsmannschaften und gerieten ins Schwärmen. Nirgendwo würden Zehnjährige so kultiviert mit dem Ball umgehen können, heißt es. Nirgendwo sei es für Kinder schwerer, einen Platz in der Mannschaft zu ergattern. La Masia wurde zum Sehnsuchtort für fußballverrückte Kinder – und überehrgeizige Eltern. Weltweit.

Der neue Messi soll wieder aus La Masia kommen

Der Klub nutzte dies zuletzt aus. Galt bis in die nuller Jahre noch die Regel, dass Spieler jünger als 13 Jahre nur in Ausnahmefällen außerhalb Kataloniens zu rekrutieren sind, wurde diese Bestimmung in den vergangenen Jahren immer weiter aufgeweicht. Vor allem aus Afrika kamen über die Samuel-Eto’o-Stifung viele junge Talente nach Spanien. Der Kampf um die Jüngsten wird zwischen den Spitzenklubs längst global geführt. In Barcelona fürchtet man den Gedanken, die Führungsposition in Sachen Nachwuchsförderung verlieren zu können. Der neue Messi soll wieder der Masia entstammen, und nicht etwa dem Nachwuchszentrum von Real Madrid oder des FC Chelsea.

Generell wird in Barcelona dieser Tage viel mit Lionel Messi argumentiert. Die Zeitung La Vanguardia schrieb, dass die Transferbestimmungen der Fifa dem Fußball nur schaden würden. Lionel Messi hätte es laut dem Blatt in der heutigen Form als Fußballer nie gegeben, wenn die Regularien schon früher gegolten hätten. Bei Mundo Deportivo sah sich Chefredakteur Santi Nolla in der Pflicht, einen langen Kommentar zur Nachwuchsarbeit des FC Barcelona und der Strafe durch die Fifa zu verfassen. Nolla schrieb, dass die Nachwuchsarbeit des FC Barcelona schon immer beeindruckend gewesen sei. Er sprach von Kindern, die »ein aufregendes Abenteuer in einem großartigen Klub« erleben würden. Und das die Fifa sehr weit weg wäre vom täglichen Geschehen.

Abschließend forderte Holla etwas, das dem FC Barcelona angesichts der Skandale zuletzt immer weniger zuteil wurde: Respekt.  

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