Messi bestimmt bei Argentinien sogar die Aufstellung

»Wenn wir ihn stoppen können, haben wir eine gute Chance«

Nie wieder seit Maradona 1986 hat ein Spieler ein Team auf so hohem Niveau so dominiert und geprägt, wie Lionel Messi das bei den Argentiniern handhabt. Im WM-Quartier Bronnizy südlich von Moskau ist es unter den argentinischen Reportern ein offenes Geheimnis, welche personellen Änderungen Messi dem ihm ergebenen Sampaoli für das zweite Spiel in Gruppe D diktiert hat.

Lucas Biglia und Maximilialo Meza sollen raus und dafür Cristian Pavon und Paulo Dybala rein, was auch eine Änderung der taktischen Grundordnung bedeuten würde. Der Turiner Dybala soll nach Messis Willen den bisherigen Ein-Mann-Sturm in Gestalt von Sergio Aguero verstärken, auf dass er selbst ein bisschen mehr Platz in der Etappe hat.

Nun war Messi selbst in Moskau auch nicht der Messi, der er selbst in seinen weniger guten Tagen beim FC Barcelona ist. Immer wieder standen ihm zwei oder drei Isländer auf den Füßen, sodass er selten zu seinen Tempodribblings kam. Er gönnte sich viele Pausen, setzte die Kollegen selten erfolgversprechend in Szene und vergab auch die mit Abstand beste Torchance, mit einem bemerkenswert Lust- und ideenlos geschossenen Elfmeter.

»Wenn wir ihn stoppen können, haben wir eine gute Chance«

Egal, sagt Maradona, »er habe gearbeitet und sein Gesicht gezeigt. Und ist trotz der schlechten Vorbereitung seines Trainers sehr ruhig geblieben«, auch das spreche für seine Identifikation mit der Mannschaft.

Daran zweifelt ohnehin keiner mehr. Die Vaterlandsliebe, die dem Wahl-Katalanen Lionel Messi noch vor Jahren abgesprochen wurde, ist längst uneingeschränkter Bewunderung gewichen. In Moskau sangen die zu Tausenden angereisten argentinischen Fans auch nach dem verschossenen Elfmeterihre lang anhaltenden »Messi! Messi!«- Chöre. Und doch ist die Lust an der eigenen Unangreifbarkeit für ihn bei der Nationalmannschaft schon seit Langem eine Last.

Anders als in Barcelona gibt es in der Seleccion kein austarierendes Gegengewicht, keinen Iniesta oder Suarez, wie er sie in Barcelona hat. Keinen einzigen Titel hat Messi mit Argentinien gewonnen, zwischendurch auch mal seinen Rücktritt erklärt und seine Mannschaft dann doch im Alleingang nach Russland geschossen. Diese WM ist wohl seine letzte Chance, die Kroaten könnten sie schon heute zunichtemachen. »Messi ist 50 Prozent der argentinischen Mannschaft«, sagt Kroatiens Stürmer Ante Rebic. »Wenn wir ihn stoppen können, haben wir eine gute Chance.« Die Isländer haben am Samstag vorgemacht, wie das funktioniert.