Meine Lieblingself (9)

Messis kongenialer Partner: Jochen Abel

11FREUNDE-Mitarbeiter stellen ihre Lieblingself vor. Heute: Christoph Biermann, der eine Offensive aufstellt, die vermutlich jedes Jahr die Champions League gewinnen würde. Neben Lionel Messi und Jay-Jay Ockocha stürmt nämlich the one and only Jochen Abel.

imago

Torwart: Rein van Duijnhoven
Deutschen Torhüter: Tunnelblick, existenzialistische Figuren und einsame Helden. Der Holländer van Duijnhoven sah das anders: »Ich brauche das nicht, und wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte ist, kann ich auch mal an einen schönen Grillabend denken. Vielleicht sind die alle so angestrengt, weil sie der beste Torwart Deutschlands werden wollen. Mich interessiert es aber nicht, der Beste zu sein. Wenn der VfL Bochum zufrieden ist, reicht mir das. Mir fehlt wohl die Besessenheit, obwohl ich einem Gegenspieler ohne Probleme ein Bein brechen kann, wenn ich in ein Duell gehe.« Schöne Dialektik.

Rechter Verteidiger: Yves Eigenrauch
Größter Anti-Fußballer, der je in der Bundesliga gespielt hat. Aber nicht im klassischen Verständnis dieses Begriffs, sondern im Wortsinne. Yves Eigenrauch verachtete Fußball irgendwie, zumindest seine professionelle Seite, seine Rituale, seine Bedeutung. Er war dagegen und weigerte sich, das Spiel als Ganzes zu sehen. Klassischer Satz nach Abpfiff: »Ich kann Dir zum Spiel nichts sagen, sondern nur, was auf meiner Seite los war.« Trotzdem liebte ihn das Publikum. Großes Paradox, das Ganze.

Linker Verteidiger: Paolo Maldini
Hier reichen zwei Zahlen: 31 (Jahre) und 647 (Spiele). Der Milan-Verteidiger ist der Inbegriff des sogenannten »One-Club-Man«.

Libero: Franz Beckenbauer
Gnade der frühen Geburt: Beckenbauer spielen gesehen. Und spielen war es. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, mit welcher außerirdischen Leichtigkeit der Mann einst über den Platz schwebte. Nichts war bemüht und angestrengt, alles weit jenseits dessen, was die anderen Spieler seiner Zeit auf dem Platz machten. Wie eine Reise in die Zukunft, von der man noch nicht wusste, wie sie aussehen könnte. Kein »Kaiser« eigentlich, ein Alien.

Vorstopper: Thomas Kempe
Prinzip Leichtsinn: Ich bin letzter Mann, der Ball gehorcht mir, gleich spiel ich ab. Ein Griff durch den Nackenspoiler, den hier spiel ich noch aus. Huch, Ball weg! Aber wenn es geklappt hätte, hätte es gut ausgesehen. Sehr gut sogar, sehr elegant. Wie beim nächsten Mal.

Defensives Mittelfeld: Vinnie Jones
Die Faszination des Bösen. Seine Karriere: ein Museum aus Hinterhältigkeit und offener Gewalt. 13 Platzverweise, deren Zahl bei heutiger Auslegung der Regeln dreimal so hoch wäre. Dreckiger Fußball ohne Reue, ohne Mitleid, ohne Verzeihen. Dark Side of the Moon, der Alptraum im Traum.