Meine Lieblingself (10)

Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich Klasnic

Lieblingself? Während andere Superprofis aus unterschiedlichen Raum-Zeit-Kontinuen zu grotesken Fantasiemannschaften zusammenwürfeln, bleibt Dirk Gieselmann realistisch: Er nominiert die komplette Werder-Elf aus dem Meisterjahr 2004. Einfallslos? Ja! Aber geil.

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Torwart: Andreas Reinke
»Ruuuuu-hiiiiiiiich!« … »Ruuuuu-hiiiiiiiich!« … »Ruuuuu-hiiiiiiiich!« – Wenn ich nicht einschlafen kann, zähle ich einfach Andreas Reinkes, die mir genau das zuraunen. Schon beim ersten Reinke bin ich meistens weg, so sehr dämpft mich der wohl unaufgeregteste Torwart der Bundesligageschichte immer noch. Ein wohliges Gefühl war es auch 2003/2004, in der Bremer Meistersaison, ihn im Kasten zu wissen, diesen somnambulen Bären aus Mecklenburg. Dass er unter seinem Trikot einen Schlafanzug trug – ein Gerücht, an das ich allzu gern glauben möchte.

Rechter Verteidiger: Paul Stalteri
»Oh, Paul Stalteri / You’re the love of my life«, sangen später einmal die Fans von Tottenham Hotspur zur Melodie von Frankie Vallis Gassenhauer »Can’t take my eyes off you«. So weit würde ich zwar nicht gehen. Aber ein guter Kumpel war er allemal, der Paul Stalteri: Immer da, wenn man ihn brauchte. Und nicht zufällig gerade in einer Polizeikontrolle auf der A1, wie so viele Werder-Profis nach ihm. 

Innenverteidiger: Mladen Krstajic
Um zu recherchieren, wie es für einen Stürmer genau gewesen sein mag, gegen diesen Mladen Kristajic zu spielen, bin ich eigens noch mal mit Anlauf gegen einen Küchenschrank gesprungen. Ergebnis: Es tat so weh, wie ich immer schon angenommen hatte – dem Küchenschrank war aber kein Foul nachzuweisen. Ebensowenig Kristajic. Meistens jedenfalls. Sein gröbstes Vergehen: Gleich nach dem Gewinn der Meisterschaft zum FC Schalke 04 zu wechseln. Anderen wehzutun, das war aber nun mal sein Beruf. Ich bin geneigt, ihm zu verzeihen.

Innenverteidiger: Valérien Ismaël
Dieser Mann hat mehr für die deutsch-französische Freundschaft getan als Adenauer und de Gaulle zusammen. Meine Meinung. Nur Stunden nach der Vertragsunterzeichnung sprach er flüssiger als Thomas Schaaf, übersetzte die miesgelaunten Brummlaute seines Landsmanns Johan Micoud in höflichste Diplomatiesprache und war zudem der einzige Mensch weltweit, der Ailtons grotesken Dingsda-Dialekt verstand. Und dann konnte er auch noch das Spiel lesen! Valérien Ismaël: vielleicht der intelligenteste Spieler in der Geschichte des Fußballs.

Linker Verteidger: Christian Schulz
Ein Mann, dessen Name schon durchschnittlich genug klingt, damit unsereins sich vorstellen kann: Das könnte ich sein, da unten auf dem Rasen mit der Schale in der Hand! Und dann kam er auch noch vom TSV Bassum, einem Klub im Landkreis Diepholz – genau wie ich! Subtrahiere ich also all die Kippen und Mollen aus meiner Spielerbiografie, kann ich mir durchaus suggerieren, ich sei 2004 mit Werder Deutscher Meister geworden. Leider war ich verhindert. Christian Schulz ersetzte mich mindestens gleichwertig. Danke dafür.

Defensives Mittelfeld: Frank Baumann
Der Franz Beckenbauer des SV Werder. Nur ohne Aura, Weltmeistertitel, Pelzmantel, Studio 54, New York Cosmos, Teamchefamt, noch einen Weltmeistertitel, Torwandtreffer aus dem Weißbierglas, eigenen Hubschrauber und jeglichen anderen Firlefranz. Eben der Franz Beckenbauer des SV Werder. Wobei ich im Glanze des Titels von 2004 sogar behaupten würde: Franz Beckenbauer war der Frank Baumann des FC Bayern. Nur eben mit dem ganzen schillernden Beiwerk, auf das die da unten so abfahren.