Mein peinlichster Fußballmoment (6)

Vogel mit Brille

Wer als Fußballtorwart keine Perspektive hat, der kann immerhin noch beim Handball Karriere machen. Hat sich zumindest unser Autor gedacht.

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Mein peinlichster Fußballmoment ist eigentlich ein Handballmoment. Quälend lange, demütigende, brandgefährliche anderthalb Stunden, verursacht durch Hybris und das fahrlässige Unterschätzen einer vermeintlich harmlosen Sportart.

Doch zum Anfang allen Übels: Weshalb ich unbedingt Fußballtorwart werden wollte, weiß ich nicht mehr. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich, wie Oma immer zu sagen pflegte, und aus irgendeinem Grund machte es mir nun mal Spaß, mich im Matsch herumzuwälzen und mir den Ball auf den Pelz brennen zu lassen.

0:15 gegen SV Haddenhausen

Hätten meine Eltern nicht diese blöde Idee mit dem Hausbau gehabt, hätte aus dem jungen Kirschneck (vorübergehend) vielleicht sogar etwas werden können. Kurz vor dem Umzug beobachtete ein Jugendtrainer des größten Vereins meiner Heimatstadt Minden von seinem Mietskasernenbalkon aus, wie sich ein kleiner bebrillter Torwart unerschrocken nach jedem Ball warf. Der Mann wurde bei meinen Eltern vorstellig und bot an, mich zu seinem Klub zu holen. Mein Vater aber sagte: »Wir ziehen im Sommer nach Häverstädt. Dann kann der Junge besser da in’n Verein.«

Das war’s. Denn so landete ich beim SV Bölhorst/Häverstädt, genannt SVBH, einem Verein, dessen Jugendabteilung neu gegründet worden war, um den Kindern aus der nebenan entstandenen Vorortsiedlung eine sportliche Perspektive zu geben. Nun ist aber sportliche Perspektive nicht zuletzt eine Frage der Perspektive, wie wir spätestens nach dem 0:15 gegen den Nachbarverein SV Haddenhausen konstatieren mussten. Und in diesem Stil ging es weiter, eine Klatsche folgte der nächsten. Andererseits: Sind nicht gerade das die Partien, in denen sich ein Keeper richtig auszeichnen kann?

Zwei mal fünf Dioptrin 

Ich führte also ein erfolgloses, aber einstweilen gar nicht mal so nicht unglückliches Torwartleben. Wären da nicht meine zwei Probleme gewesen. Das eine hatte zwei mal fünf Dioptrin plus zwei linke Hände, die zu blöd waren, Kontaktlinsen einzusetzen. Wie oft habe ich mir deshalb im ostwestfälischen Landregen den Spruch anhören müssen: »Versuch es doch mal mit Scheibenwischern!« Ein Feldspieler mit Brille agiert bei Regen bestenfalls unauffällig. Ein bebrillter Torwart ist eine Katastrophe.