Mein peinlichster Fußballmoment (1)

Was?Machst?Du?Da?

In unserer Serie erinnern sich Redakteure an ihren fußballerischen Tiefpunkt. Heute: Das Jahrhundert-Dribbling, das keines war und doch alle verstummen ließ.

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Irgendwann inmitten dieser schwerelosen Drehungen wurde es still um mich. War das der Rausch von dem sie erzählten? Der einen umgibt, wenn plötzlich alles funktioniert und man nur noch Zeuge seiner selbst ist? Diese Momente, die in jeder Sekunde gefühlt eine Ewigkeit andauern, damit sich später jeder einzelne seiner Augenblicke nacherleben, nacherzählen lässt? Ich weiß es noch genau, sagt man dann, und meint es so, und fühlt sich zurück in den magischen Moment der Einmaligkeit. 

Eigentlich bin ich ein Fußballer Typ Mertesacker. Sage ich immer. Weil ich groß bin. Weil ich Abwehrspieler bin. Und so. Also aus genau den zwei Gründen. Denn tatsächlich bin ich gar kein Fußballer. In jungen Jahren von der Schule weg zum Handball verpflichtet worden. Vorher schon immer Tennis, seit ich auch nur eine Andeutung über den Schläger ragte. Das war der Sport des Vaters. Und der war der König.

Die Hollywood-Schaukel war machtlos

Fußball kam später. Und anders. Nie im Verein. Tore und ganze Europapokalschlachten im Garten nachspielen, vorspielen, neu spielen. Ich schoss Siegtor auf Siegtor, Traumtor auf Traumtor. Die Hollywood-Schaukel meiner Eltern war machtlos gegen meine mit links getretenen Freistöße in der Nachspielzeit.

Ich war Stratege, Libero und Stürmer in einem. Bis ich dem Garten entwachsen war.

 Dann Freundin, Studium und alles andere, was einen daran hindert, auf dem Sonderweg für Spätberufene doch noch zum veritablen Kicker zu geraten.

Ausdauerwerte eines Streichholzes

Dafür bald Hallenfußball mit den Jungs, feinstes Schweineballett. 

Und ich mittendrin, der falsche Mertesacker mit den Ausdauerwerten eines Streichholzes. Umzingelt von einer Ansammlung einst verheißungsvoller Körper, die mal noch weniger am Ball konnten als ich, und meist weit mehr. 



Vor allem aber umzingelt von Jungs, die irgendwann in Vereinen gespielt haben oder zumindest gegen andere. In Käfigen, auf Ackern und Hinterhöfen. Die ihre Dribblings nicht gegen ihre Fantasie gewannen, sondern gegen das knochige Schienbein eines echten Gegners.