Mein Lieblingszehner (3): Miroslaw Okonski

Okonski und der Sheriff

Eine Hamburger Zeitung schrieb damals, Miroslaw Okonski sei »der Letzte seiner Art«, denn er war Spielmacher und Torjäger in einem, Lenker und Vollstrecker. Dabei stellte Okonski auch auf eine andere Art das Ende einer Ära dar. Er gehörte zu der Sorte Profi, der sich abseits des Platzes wenig um Fußball scherte. Ein Spieler, der gerne über den Durst trank und noch vor dem Frühstück eine halbe Schachtel wegpofte. Ein Spieler, von dem man annahm, er würde zum Training mit einer Harley vorfahren, um direkt danach mit wehendem Haar in einer Hafenspelunke zu verschwinden. Der auf dem Platz einen Aktionsradius von drei Metern hatte, der aber mit einem einzigen Pass die ganze Fußballgeschichte neu schreiben konnte. Ein genialer Standby-Fußballer eben. Bald schon sollte der moderne Fußball diesen Typus, diese Easy Rider des Fußballs, hinfällig machen. Es kamen die Roboterspieler und schablonenartig geformten Superhelden mit ihren federleichten und bunten Fußballschuhen, die Ronaldinhos, die Messis, die Ronaldos.

Vielleicht blieb der kleine Pole deshalb nur zwei Jahre in Hamburg. Sein Landsmann Jan Furtok sagte später, dass Okonskis übermäßiger Alkoholkonsum ein Grund für sein Aus in Hamburg gewesen war. Bei Okonskis Abschied 1988 soll der neue und junge Manager des HSV jedenfalls nicht ganz unglücklich gewesen sein. Er konnte nichts anfangen mit Künstlern, die noch im Kabinengang ihr Marlboro-Päckchen im Stutzen verstauten. Er wollte keine Outlaws, nicht mal Cowboys, denn er war der Sheriff. Er wollte Spieler, die gehorchen. Sein Name: Felix Magath.

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