Mein Lieblingsbild: Kohler beim Kartenspielen

Herzdame, bloody hell!

Bevor Jürgen Kohler Weltmeister wurde, wurde er Zweiter beim Kartenspielen im pfälzischen Lambsheim. Warum nur? 

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Jürgen Kohler ist ein Gewinnertyp. Er wurde Weltmeister und Europameister. Er hat die Champions League, den Weltpokal und den Uefa Cup gewonnen. Er holte die deutsche und die italienische Meisterschaft. Die Dortmunder Fans besangen ihn als »Jürgen Kohler, Fußballgott«, und Guido Buchwald sagte in einem FAZ-Interview, dass er manchmal gerne wäre wie Kohler: »Der Jürgen weiß genau, was er tun muss. Er ist cleverer als ich.«
 
Nur zweimal in seiner Karriere hat Jürgen Kohler verloren: 1988 das Sprintduell gegen Marco van Basten – und 1986 eine Partie Karten gegen Mutter Elfriede und Stiefvater Edgar.

»Bis jetzt hat er noch kein Tor geschossen«
 
Die Geschichte dieser Niederlage beginnt am 24. September 1986. Die DFB-Elf trifft in einem Freundschaftsspiel auf Dänemark. Teamchef Franz Beckenbauer beklagt zahlreiche Verletzte, weshalb er einige Nachwuchsspieler einlädt. Unter ihnen befindet sich auch Jürgen Kohler aus Lambsheim bei Mannheim. Der 19-Jährige vom SV Waldhof gilt als eine der großen Nachwuchshoffnungen der Liga.
 
Die Presse ist vor der Partie trotzdem skeptisch, denn Kohlers Gegenspieler ist niemand Geringeres als Preben Elkjaer-Larsen, Starstürmer bei Hellas Verona. Wie wollen Sie den Mann stoppen?, fragt ein Journalist vor dem Spiel. Kohler lächelt. Selbstbewusst verkündet er: »Bis jetzt hat er noch kein Tor gegen mich geschossen. Und das wird auch so bleiben.«
 
Kohler hält sein Versprechen, Deutschland gewinnt 2:0, Elkjaer-Larsen sieht keinen Stich, und Beckenbauer jubelt über seinen neuen Vorstopper: »Eine bessere Leistung ist gar nicht möglich!«

Ein Duo wie aus »Ronny’s Pop Show«
 
Vier Wochen später, am 20. Oktober 1986, reisen ein Fotograf und ein Journalist nach Lambsheim. Spurensuche, der Reporter-Klassiker. Sie drapieren den Neu-Nationalspieler an die Einfahrt seines Elternhauses und hinter einen Wegweiser, der die Richtung nach »Lambsheim« zeigt.



Danach muss er, Arm in Arm mit Mutter Elfriede, aus einem Fenster schauen und lächeln. Und schließlich lässt sich der junge Jürgen auf einer Parkbank mit seiner damaligen Freundin Esther fotografieren.

Kohler trägt an dem Tag einen weißen Strickpullover, darunter ein pinkes Poloshirt. Dazu Jeans, Tennissocken und Tennisschuhe. Seine Freundin hat sich für eine Thomas-Anders-Föhnfrisur entschieden, der Kragen ihres Jeanshemds ist nach oben geklappt. Ein Duo wie aus »Ronny’s Pop Show«.