Mein Lieblingsbild: Cheffe's Kitchen

Frühling in Soltau

Umrühren, wo nichts ist? Stefan Effenberg und Jörg Neun konnten das. Und noch viel mehr. Eine Liebeserklärung.

imago

Da stehen sie, Stefan Effenberg und Jörg Neun, in den klassischen Schick der Achtziger Jahre gehüllt. An den Beinen, die ihr Kapital sind, hochentwickelte Ballonseide in würg-anthrazit. Im Ensemble noch je ein kecker Motiv-Pullover. Das Haupt in blonder Unschuld.



Wie die Jungfrau zum Kinde sind sie in diese Szene geraten. Zwei Engel, gefangen in einer Küche, deren Schönheit nur in den Augen eines besonders ambitionierten Betrachters liegen kann.



Dass wir es hier mit einem Meisterwerk zu tun haben, verrät allein schon der kecke Bildanschnitt. Eine ordinäre Deckenlampe auf Höhe »Hä?« nimmt uns an die Hand, stellt uns gefühlt an die Seite dieser beiden Ikonen. 

Wir können den Topfinhalt förmlich brutzeln hören.

Einfach mal den Horizont erweitern, einfach mal kochen

Auch wenn das Kochgeschirr aus der Motivreihe »Frühling in Soltau« sichtbar ohne Inhalt platziert wurde. Wir können die Aromen riechen, die der besonderen Chemie unsere beiden Helden entspringt. Ist es noch Coolness, oder schon Erotik? Wer würde wagen, darüber ein endgültiges Urteil zu fällen?


Wir schreiben den 18. Januar 1989. In Deutschland weht der Wind der Veränderung. In der Küche von Stefan Effenberg und Jörg Neun auch. Noch genau ein Monat ist es hin, bis sie mit Borussia Mönchengladbach zum Rückrundenauftakt in Kaiserslautern aufschlagen werden (Endstand 0:0).

Fast eineinhalb Monate ist es her, dass sie zum Ausklang der Hinrunde und am heimischen Bökelberg den VfB Stuttgart empfingen (Endstand 2:2, 15.000 Zuschauer, Wind aus allen Richtungen). 

Viel Zeit also, die dazwischen liegt. Zeit, die es sinnvoll zu nutzen gilt. Einfach mal den Horizont erweitern. Einfach mal kochen.