Mein Fußballmoment des Jahres: Freiburg international

Im Wesen ein großer Verein

Es ist jedem Fußballfan von Herzen zu wünschen, dass er ein Mal seinen Verein international spielen sieht. Das Gefühl – hunderte Kilometer von zu Hause in einer fremden Stadt den Gesängen zu folgen und schließlich all die bekannten Gesichter entdecken, den Nachmittag mit kühlem Bier verbringen und schließlich gemeinsam zum Stadion laufen – ist fantastisch. Mit einem meiner besten Freunde fahre ich bereits einige Tage vor dem Spiel los. Wir essen Knoblauchsuppe aus einem riesigen Brotlaib in Bratislava und Wiener Schnitzel in Österreich. Die Gedanken und Gespräche drehen sich immer nur um das anstehende Spiel. Im Zug von Wien nach Ljubljana haben wir ein Abteil für uns. Der Weißwein aus dem Bahnhofskiosk, ein grüner Veltiner, hat sich chamäleonartig der Zugtemperatur angepasst. Wir recken unsere Köpfe aus dem Fenster, lassen den Fahrtwind Klimaanlage spielen und summen Fangesänge vor uns hin. Nichts kann schiefgehen.

Der Block ist heiß

Das Hinspiel haben wir mit 1:0 gewonnen. Kein optimales Ergebnis. Aber ein Auswärtstor wird schon reichen, denke ich mir. Das Stadion ist nur spärlich besucht, nur wenige Fans aus Domzale sind nach Ljubljana gereist. Ihr eigenes Stadion erfüllt nicht die Richtlinien der UEFA. Mit lautstarker Unterstützung ist jedenfalls nicht zu rechnen. Beim Einlaufen der Mannschaften lodert rotes Licht in der ersten Reihe auf. Der Block ist heiß. Die Mannschaft hoffentlich auch. Leider ist die erste Halbzeit ähnlich fad wie die Knoblauchsuppe in Bratislava. Freiburg ist anzumerken, dass die Vorbereitungszeit kurz war. Vorne fehlt die Kreativität von Grifo und Philipp. Aber solange es beim 0:0 bleibt, soll es mir recht sein, denke ich in der Halbzeit.

Doch plötzlich passiert es dann doch. Söyüncü, dieser genial-verrückte Abwehrspieler, schlurft seinem zum Schuss ansetzenden Gegenspieler in die Ferse. Pfiff. Elfmeter. Tor für den Außenseiter. Fuck.

An den Rest des Spiels erinnere ich mich kaum noch. Die Anspannung, Hitze und wohl auch das Bier schlagen mir auf den Kopf. Wir brauchen dieses eine Tor. Doch auf dem Platz gelingt nichts. Gar nichts. Im Gegenteil. Einwurf für Domzale. Am eigenen Strafraum. Und dann geht alles ganz schnell. Neun Ballkontakte. Ein perfekter Konter. Mitten ins Herz. Leere.

Und jetzt sitze ich hier auf dem grünen Plastiksitz und flenne. Warum? Ich kann es mir nicht erklären. Bin aber froh, dass meine Emotionen nicht in Wut umschlagen. Sie müssen einfach raus.

Groß im Wesen

Die Traurigkeit wird noch einige Tage anhalten. Und wenn sie verfliegt, werden die Erinnerungen bleiben. Die schönen. Christian Streich sagte nach dem Abstieg 2015: »Der Verein ist ein kleiner Verein, aber ein großer in seinem Wesen.« Und wenn ich später einmal von diesem großartigen Verein erzähle, wird die Geschichte nicht vom Ausscheiden handeln. Sondern vom Sommer der Freude. Meinen Freunden. Dem Glück, diesem einzigartigen Verein international hinterher reisen zu dürfen.