Mein erster Stadionbesuch (#8)

Genau so ist es gewesen

Aber wie war es nochmal genau? Eine kleine Hilfestellung von Christoph Biermann, was über das erste Mal im Stadion unbedingt zu sagen ist.

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Man steht heutzutage ganz schön unter Druck, wenn man kein Fußballfan ist oder zumindest kein richtiger, der seine Umwelt beharrlich mit den Gefühlswallungen konfrontiert, die so eine Anhänglichkeit an den Verein des Herzens mit sich bringt. Schließlich geht es heutzutage selbst in den besseren Kreisen ohne das nicht so richtig. Nur will das auch vernünftig belegt sein, und dazu gehört es natürlich auch, eine möglichst tolle Geschichte vom ersten Mal parat zu haben. Eine, bei der die Zuhörer so richtig beeindruckt sind, weil sie schön zu Herzen geht oder mit dem nötigen Krawumm echte Knalleffekte mit sich bringt.

Nun ist hier, wo noch ungebrochen der Glaube an das Echte und Authentische herrscht, eigentlich nicht der Ort, wo zur fortgeschrittenen Flunkerei aufgefordert werden soll. Und eigentlich wollen wir auch kein Möchtegern-Fanwesen unterstützen, aber in diesen grauen Tagen draußen und angesichts einer gewissen adventlichen Sanftheit soll all jenen, die auch gerne mitreden möchten, beim Erinnern ein kleine, sagen wir mal Hilfestellung gegeben werden. Zumal die Sache so kompliziert auch nicht ist, es sind eigentlich nur drei Punkte zu beachten.

Das Personal:
Klassischer Weise geht man an Vaters Hand zum ersten Mal ins Stadion, der gerne ein verschlossener Mann sein darf und nur im Stadion seine wahren Gefühle zeigt. Es kann aber auch der verehrte/verhasste große Bruder sein, mit dem man sich nie geschwisterlicher fühlte als auf den Rängen. Man darf auch jemand Originelles aufbieten: eine auf Krawall gebürstete Großtante etwa, die auf der Tribüne Kette raucht und erbarmungslos den Schiri beleidigt. Oder den Nachbarsjungen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Schlagring, der mit 13 auch schon Kette raucht und einen im Stadion gleich mal dahin mitnimmt, wo es weh tut. Und selbst wenn einen bloß der öde Nachbar mitgenommen hat, muss er natürlich so unfassbar öde rüberkommen, dass die Zuhörer gebannt sind.