Max Merkel (1918-2006)

Der Großwildjäger ist tot

Die Bild-Zeitung titelte `Max Merkel geht in Rente´, doch die Sonderseite zu seinen Ehren hat der langjährige Kolumnist und frühere Trainer nicht mehr erlebt. Imago Er sei friedlich eingeschlafen, hieß es von Seiten der Familie. Der gebürtige Wiener hatte gleich drei erfolgreiche Karrieren erlebt. Zunächst als eisenharter Verteidiger, wo er sowohl für Österreich, als auch für Deutschland (am 27. August 1939 in Bratislava 0:2 gegen die Slowakei) jeweils ein Länderspiel bestritt. Anschließend als Trainer, wo er mit Rapid Wien (1957), 1860 München (1966), dem 1. FC Nürnberg (1968) und Atletico Madrid (1973) insgesamt vier nationale Meistertitel gewann. Und schließlich 28 Jahre lang als Kolumnist der Bild-Zeitung.

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"Da hab i g'sagt: Sauft's weiter."

Nicht erst dort war Merkel für seinen Wiener Schmäh gefürchtet. Als Trainer der Münchner `Löwen´ wurde er 1967 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu einer Geldstrafe von 10.000 Mark verdonnert, weil er bemerkte, das einzige Positive am 1. FC Köln sei der Geißbock: `Und der stinkt auch noch.´ Über deutsche Funktionäre behauptete er mal: `Die wissen nicht einmal, dass im Ball Luft ist. Die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin sitzt.´ Und seine Trainings-Methoden erklärte er mal mit einer Anekdote: `Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da hab i g´sagt: Sauft´s weiter.´ Doch Merkel war auch ein harter und vor allem erfolgreicher Arbeiter. `Er war in seiner Zeit einer der besten Trainer in Deutschland´, sagte Bayern Münchens Trainer Felix Magath am Mittwoch nach der Kunde von Merkels Tod: `Der deutsche Fußball beklagt den Verlust einer Persönlichkeit.´

Ein Reihenhaus in Putzbrunn

Merkels Motto war `Zuckerbrot und Peitsche´, damit musste er bei seiner ersten Station als niederländischer Nationaltrainer (1954 bis 56) in 18 Spielen nur eine Niederlage hinnehmen, besiegte unter anderem auch Weltmeister Deutschland am 24. März 1956 in Düsseldorf mit 2:1. In München und Nürnberg wurde er im Jahr nach dem Titel jeweils entlassen, der FCN stieg anschließend sogar als bis heute einziger Titelverteidiger ab. Anschließend ging Merkel nach Spanien, zunächst zum FC Sevilla. `Das war vielleicht die schönste Zeit´, sagte er: `Weil das alles mit menschlicher Wärme verbunden war.´ Doch schon zu seiner Zeit in Madrid Mitte der 70er Jahre, kaufte er sich ein Reihenhaus in Putzbrunn vor den Toren Münchens, wo er zuletzt mit seiner Ehefrau Marion zurückgezogen lebte. Seitdem er auf Grund von Rückenbeschwerden auf das Tennisspielen verzichtete, widmete er sich mehr und mehr klassischen Konzerten. Auch ein Wein-Liebhaber war Merkel, aber andere als österreichische kamen ihm nicht auf den Tisch.

"Basler, die teuerste Parkuhr der Welt"


Seine Kolumne pflegte der Vater einer Tochter (Maxi, 34), der für zwei Kurzgastspiele (Schalke 1975/76 und Karlsruhe 1981/82) nochmal in die Bundesliga zurückkehrt, bis zuletzt. Noch in diesem Sommer hieß es `Max merkelt wieder´. Mit Biss, Ironie, nicht selten polemisch und verletzend. Oft zitiert wurde sein Urteil über Mario Basler. Diesen bezeichnete Merkel als `die teuerste Parkuhr der Welt. Er steht rum - und die Bayern stopfen das Geld rein´. Als Kolumnist habe der oft als Lästermaul verschriene Merkel, so die Süddeutsche Zeitung, unter den Spielern die `Beliebtheit eines Großwildjägers im Tierschutzgebiet´ gehabt. Bei den Lesern erfreuten sich seine Bestandsaufnahmen der Bundesliga-Klubs im Sommer und Winter aber größter Beliebtheit. Seine schönsten Sprüche verewigte sein langjähriger Arbeitgeber am Mittwoch auf einer kompletten Seite. Es wurde zum unfreiwilligen Nachruf.