Marokkos verzweifelter Kampf um die WM 2026

Höhere Mächte

Marokko bemüht sich bereits zum fünften Mal um das WM-Gastgeberrecht. Doch gegen das Triumvirat aus USA, Mexiko und Kanada scheint es politisch chancenlos. 

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Er hat es schon wieder getan: Donald Trump hat mächtig Druck gemacht im Werben um die WM 2026. Wenige Tage nach seiner unverhohlenen Twitter-Drohung gegen den Rest der Fußball-Welt (»Es wäre eine Schande, wenn Länder, die wir immer unterstützen, nun Lobbyarbeit gegen uns leisteten. Warum sollten wir diese Länder unterstützen, wenn sie uns nicht unterstützen?«) schaltete der US-Präsident noch einen Gang höher.

Bei einem Besuch von Nigerias Staatspräsident Muhamadu Buhari in Washington polterte Trump, dessen Nation das Weltturnier gemeinsam mit Mexiko und Kanada ausrichten will: »Ich hoffe, dass alle afrikanischen Länder – so wie wir euch unterstützen – auch uns unterstützen. Wir werden das sehr genau beobachten.«

Trump kennt viele Instrumente zur Disziplinierung

So, so. Die afrikanischen Länder sollen bei der WM-Vergabe durch die 207 FIFA-Mitgliedsverbände gegen ihren eigenen Nachbarn Marokko stimmen. Was jenen droht, die das nicht tun, ließ Trump erstmal offen. Doch man kann sich die Konsequenzen ausmalen: ein paar kleine Entwicklungshilfe-Kürzungen hier, eine Prise Handelszölle und Einfuhrbarrieren dort. Wie wär's ansonsten mit kollektiven Einreiseverboten für Algerier, Ghanaer oder vielleicht Südafrikaner? Trump kennt viele Instrumente zur Disziplinierung – und bekanntlich schreckt er nicht davor zurück, sie auch einzusetzen.

Als sei die Luft für den einzigen WM-Mitbewerber Marokko aufgrund dieser nach FIFA-Statuten unzulässigen Einmischung Trumps nicht dünn genug, kämpft noch eine weitere höhere Macht für die USA und ihre Partnerländer: Denn der, ähem, allseits geschätzte und über sämtliche Zweifel erhabene FIFA-Boss Gianni Infantino ist den Amis noch etwas schuldig.

Zum einen war es die US-Behörde FBI, die dem früheren Blatter-Günstling durch massive Korruptionsermittlungen gegen die Funktionärselite den Weg an die Spitze geebnet hatte. Zum zweiten hatte der umtriebige US-Fußball-Funktionär Sunil Gulati im Februar 2016 vortreffliche Wahlhilfe für Infantino organisiert.

Gulati half Infantini bei der Wahl

Als bei der jüngsten FIFA-Präsidentenwahl der jordanische Kandidat Prinz Ali vorzeitig aus dem Rennen geschieden war und eine Stichwahl zwischen Infantino sowie Scheich Salman al-Khailfa aus Bahrain nötig wurde, schlug die Stunde des begnadeten Lobbyisten Gulati. Der ist nicht nur in Nord- und Mittelamerika bestens vernetzt. Gulati unterhält auch gute Beziehungen nach Südostasien und Südamerika.

Eine vertrauliche Unterredung hier, ein freundschaftlicher Klaps dort – im Nu stand eine solide Mehrheit für Infantino, den kahlköpfigen Juristen aus der Schweiz.