Mario Balotellis Wechsel zum FC Liverpool

Prämie für gutes Benehmen

Seine internationale Klasse hat Balotelli bereits unter Beweis gestellt. Für City erzielte er in 54 Premier-League-Spielen 20 Tore. Beim AC Mailand traf er 26 Mal in 43 Spielen. Das ist nicht Weltspitze, aber durchaus ansehnlich. »A calculated risk«, nannte Liverpools Trainer Brendan Rodgers seinen umstrittenen Neuzugang.


Die »Benimm-Klausel«

Rodgers will nun erreichen, was vor ihm noch keinem Trainer gelungen ist: Balotelli zu dem Superstar zu coachen, den man bisher nur andeutungsweise gesehen hat. Wie etwa im Halbfinale der EM 2012, als er die deutsche Elf im Alleingang aus dem Turnier schoss. Liverpool hat dies im Vertrag deutlich gemacht. Neben einem Wochengehalt von 120.000 Euro erhält der Stürmer weitere 60.000, wenn er sich an eine so genannte »Benimm-Klausel« in seinem Vertrag  hält. Was genau in dieser Klausel steht, ist nicht bekannt, es ist allerdings davon auszugehen, dass Balotellis Eskapaden durch die Androhung von empfindlichen Strafen bereits im Keim erstickt werden sollen. 

In Zeiten, in denen die Premier League bisher fast eine Milliarde Euro an Transfergeldern ausgegeben hat und sogar ein Zweitligist wie der FC Fulham, 15 Millionen Euro für einen Stürmer investiert, sind 20 Millionen für einen italienischen Nationalspieler beinahe ein Schnäppchen. Es ist aber vielmehr die Ablösesumme, die auf der Insel für Diskussionen sorgt. Vielmehr erinnern sich die Engländer an Balotellis Verhalten, nachdem der 2013 von Manchester City zum AC Mailand gewechselt war.  Von einem Journalisten nach seiner Zeit in Manchester befragt, antwortete er damals: »Gute Erinnerungen? Nur wenn ich nach Carrington gefahren bin zum trainieren, also meine Mannschaftskollegen. Schlechte Erinnerungen? Alles andere – die Presse, das Essen, das Wetter, das Autofahren.« So macht man sich Freunde.

Vieri: »Bestes Geschäft in der Geschichte des AC Mailand!«

Ähnlich abfällige Bemerkungen über seine Zeit in Mailand sind bislang nicht publik geworden. Verbrannte Erde hat allerdings auch beim AC hinterlassen. Italiens Stürmerlegende Christian Vieri beurteilte in einem Interview den Verkauf Balotellis als »bestes Geschäft in der Geschichte des AC Mailand«, Journalist  Mario Sconcerti kommentierte im »Corriere della Sera«: »Mario macht alle glücklich wenn er ankommt, und noch glücklicher, wenn er den Verein wieder verlässt.« 

Mit nur 24 Jahren hat Mario Balotelli schon eine Menge erlebt als Fußballprofi. Er spielte für Inter Mailand, Manchester City und den AC Mailand, drei der besten Klubs der Welt. Den Beweis, dass er ein Weltklassespieler ist, muss er noch erbringen. Der FC Liverpool bietet ihm eine große Möglichkeit. Die Voraussetzungen sind gut: ein großer Klub, ein hervorragender Trainer und eine intakte Mannschaft. Gelingt die Zusammenarbeit, spielen die »Reds« wieder um den Titel mit. Und aus dem höchst umstrittenen Transfer könnte das »Schnäppchen der Saison« werden. Ein Restrisiko bleibt dennoch.