Mario Balotellis Wechsel zum FC Liverpool

Das kalkulierte Risiko

Nach 18 Monaten beim AC Milan kehrt Mario Balotelli zurück nach England. An dem 24Jährigen scheiden sich seit Jahren die Geister. Wird er in Liverpool endlich zum Superstar?

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Mario Balotelli ist zurück in England. Als »Super-Mario« vorgestern in Liverpool landete, war die Begeisterung über den extrovertierten Italiener riesig. Der lauteste Jubel dürfte aber unter den englischen Journalisten ausgebrochen sein: Die »Gazzetta dello Sport« hat kürzlich errechnet, dass Balotelli in eineinhalb Jahren beim AC Mailand 788 Schlagzeilen produzierte. Der FC Liverpool ist um eine Attraktion reicher.


Warum dieser Transfer

Die Anhängerschaft der »Reds« schwankt zwischen Vorfreude und Skepsis. Die große Frage ist, ob der 24-Jährige endlich die Leistung bringt, die ihm seit Jahren zugetraut wird, die er aber viel zu selten unter Beweis gestellt hat. Der FC Liverpool, nach der Vizemeisterschaft in der vergangenen Saison wieder unter den Top-Teams in England, kauft sich ausgerechnet einen Spieler, dessen Marktwert in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist. Warum dieser Transfer?

 

Wer an Balotelli denkt, der weiß mehr über die Fehltritte abseits des Platzes zu berichten, als über die genialen Momente auf dem Feld. Mal verweigerte er eine Trainingsübung, dann bewarf er einen Jugendspieler von Manchester City mit Dartpfeilen, oder zündete in seinem Hotelzimmer Feuerwerkskörper an. 

Handgemenge mit dem Trainer

Es sind aber nicht nur Eskapaden, die ihn ins Rampenlicht rücken. In seiner Zeit bei Milan drohte er nach wiederholt rassistischen Beleidigungen das Feld zu verlassen. In einem Vorbereitungsspiel tat er dies zusammen mit Kevin Prince Boateng, die Teamkameraden schlossen sich den beiden an.  Balotelli zierte das Cover des TIME Magazines im November 2012. Plötzlich war er die Symbolfigur einer ganzen Generation. Die Einwanderungspolitik in Europa wurde an Balotellis Lebensweg nacherzählt. Bis heute dient er vielen Einwanderern in Italien als Vorbild. All die positiven Eigenschaften mitsamt seiner sportlichen Klasse führen dazu, dass Trainer über die Schwächen hinwegsahen. Einer seiner größten Fürsprecher ist Roberto Mancini. In der gemeinsamen Zeit bei Manchester City brachte er viel Geduld für Balotelli auf und stellte sich oft schützend vor ihn. Selbst ein Handgemenge während einer Trainingseinheit tat der Zuneigung keinen Abbruch. Bei seinen Mannschaftskollegen in Manchester war er ebenfalls beliebt, wie Mancini berichtete.