Marco Materazzi in Deutschland

Blutgrätschen auf Kellerboden

»Ich will als Trainer nach Deutschland« sagte unlängst Italiens Ex-Verteidigerkante Marco Materazzi. Wir sind begeistert und fragen uns: Wie könnte sein erster Arbeitstag aussehen?

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KNIRSCH! Mit dem Geräusch einer zerberstenden Journalistennase sorgte Marco Materazzi auf seiner ersten Pressekonferenz für Ruhe im Saal. »Eine Trainer isse nicht eine Idiot«, polterte der Neue auf Kaiserslauterns Bank, bevor er die Schwestern sämtlicher Anwesenden beleidigte und erbost seine Vorstellung abbrach, um sein erstes Training zu leiten.

Da war Stefan Kuntz und Markus Schupp ein echter Coup gelungen. Nachdem Materazzi bereits 2005 als Spieler um ein Haar in die Pfalz gewechselt war, konnten die Lauterer Macher den italienischen Weltmeister und erklärten Fan der Bundesliga nun als Jung-Trainer verpflichten. Obschon beide Offizielle mit ruptierten Kreuzbändern und gebrochenen Jochbeinen von den Verhandlungen zurückkamen, zeigten sie sich erleichtert. »Wir sind, äh, sehr froh«, nuschelte Schupp verschüchtert und hustete ein wenig Blut in die Mikrofone. Dass Erfolgstrainer Kosta Runjaic dafür den Hut nehmen musste, ist wohl auf Materazzis Verhandlungsgeschick zurückzuführen. »Wir haben uns für Marco Materazzi entschieden, weil, äh, jagut...«, stammelte Stefan Kuntz zitternd in die Kameras, während der drahtige Italiener ihn kameradschaftlich am Nacken festhielt.

Zur Belohnung gibt es Schläge


An die wenigen Kiebitze, die sich an diesem grauen Morgen ans Trainingsgelände gewagt hatten, verteilte der joviale und volksnahe neue Coach freigiebig Autogramme, Beleidigungen und Hämatome, bevor er sein neues Team wie eine Schafherde zusammentrieb und per Blutgrätsch-Gewitter aufs Feld jagte. Dass hier nun ein neuer Wind weht, mussten die Spieler schnell einsehen. Als erste Übung bildete Materazzi zwei Gruppen, die in Steigerungsläufen gegeneinander antreten mussten. Gewinner war das Team, in dem am meisten vor Erschöpfung gekotzt wurde, zur Belohnung gab es Schläge. Das anschließende Flankentraining, das Materazzi mit Bierkisten statt mit Fußbällen ausführen ließ, unterbrach der Coach selber immer wieder durch kleine Nickligkeiten und versteckte Fouls, nach denen er reflexhaft die Arme in Unschuldsgeste nach oben hob.

Eine zehnminütige Unterbrechung, die Materazzi reklamierend auf dem Boden verbrachte, weil ihm eine Biene gegen die Brust geflogen war, nutzten die Spieler, um ihre Angehörigen anzurufen oder gemeinsam zu beten. Anschließend ging es mit Schwalbentraining weiter, einen Journalisten, der es wagte, das Training durch einen Räusperer zu stören, brachte Materazzi mit einem Dutzen Kopfnüssen persönlich zum Ausgang.

Dass Kaiserslautern lediglich in der Zweiten Liga und nicht in der Bundesliga spielt, ist eine Information, die Kuntz und Schupp dem neuen starken Mann noch vorenthalten haben. »Aus Gründen!«, wie Kuntz patzig zu Protokoll gab, um anschließend in hysterisches Geweine auszubrechen. Markus Schupp, der sich ob der donnernden Kabinen-Standpauke Materazzis im Keller des Fritz Walter-Stadions verbarrikadiert hatte, war für ein ausführlicheres Statement nicht mehr zu haben. »Unbedingt Augenkontakt vermeiden«, raschelte noch durch Schupps Handy, bevor das Geräusch einer Blutgrätsche auf Kellerboden und ein galliges »Deine Schwester...« das Gespräch abrupt beendeten.