Marcelo Bielsa verzaubert Leeds

El Loco und die Magie

Für viele Trainer ist er der Größte ihres Fachs. Doch wirklich viel gewonnen hat Marcelo Bielsa nicht. Das ändert sich jetzt. Auch wenn es vorerst nur Herzen sind.

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In 13 Stunden kann man von München nach Kapstadt fliegen und dabei zum Beispiel Star Wars I-VI schauen. Oder man heißt Marcelo Bielsa, beziehungsweise Pep Guardiola, und unterhält sich 13 Stunden lang über Fußball. Am Stück.



Da war also Pep Guardiola auf der Ehrenrunde seiner Profikarriere. Noch ein bisschen kicken beim Al Ahli Sports Club in der katarischen Super League, ein bisschen Geld verdienen und in Ruhe Gedanken darüber verlieren, wie es denn nun weitergeht. Bald war Guardiola klar: Ich werde Trainer.



Zwei Verrückte - 13 Stunden

Es soll Gabriel Batistuta gewesen sein, der zeitgleich bei Ligakonkurrent Al Arabi spielte (und auch dort immer noch 25 Tore in 21 Spielen erzielte) und Guardiola fast schon beschwor: »Dann musst Du zuerst nach Argentinien und mit Marcelo Bielsa sprechen.« Der zuletzt und bis 2005 noch Batistutas Nationaltrainer gewesen war.



Guardiola folgte dem Rat, flog nach Argentinien, flog zu Marcelo Bielsa. Und dann passierte es: zwei Verrückte, die sich nie zuvor gesehen oder gesprochen hatten, erkannten einander und ließen alles heraus - 13 Stunden lang. Bielsa und Guardiola kritzelten Taktiken und Formationen auf Zettel, schauten sich Videos von Spielen und Spielern an und diskutierten über Sinn und Unsinn von Trainingsinhalten.

Der beste Fußballtrainer der Welt?



Nach dem Treffen war sich Guardiola endgültig sicher, es als Trainer versuchen zu wollen, wenn nicht zu müssen. Und sicher, dass Bielsa »der beste Fußballtrainer der Welt« sei. Das mag im Fall von Super-Super-Pep nicht viel heißen, könnte man nun einwenden. Heißt im Fall von Bielsa aber genau das. 



Doch während Guardiola sich anschickte mit dem FC Barcelona, dem FC Bayern München und Manchester City so ziemlich alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gibt, stehen bei Bielsa auf der Habenseite: zwei argentinische Meistertitel mit den Newell’s Old Boys (1991 und 1992) sowie die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2004 mit Argentinien.

Kein nachhaltiger Erfolg



Zwischen 2007 und 2011 hat er noch eben den chilenischen Fußball revolutioniert und unbestritten die Grundlagen für Chiles zweifachen Triumph bei der Copa America (2015 und 2016) gelegt. Im Klubfußball allerdings reihte sich eine Enttäuschung an die nächste.



Weder bei Athletic Bilbao noch bei Olympique Marseille hatte Bielsa nachhaltig Erfolg. Bei Lazio Rom schmiss er schon vor dem ersten Spieltag der Saison 2016/17 hin - Unstimmigkeiten mit dem Präsidium. Auch auf der nachfolgenden Station, beim OSC Lille, lief es so gar nicht für den »besten Trainer der Welt«. 

Die Gründe scheinen auf der Hand zu liegen.

Es braucht Zeit, bis die Spieler die komplexe Spielidee Bielsas verstehen. Und wenn es dann einmal soweit war, ging seinen Mannschaften regelmäßig die Puste aus. Körperlich zu anstrengend sei der Bielsa-Fußball auf Dauer, sagen seine Kritiker.