Mannschaftsfoto (12): 1. FC Nürnberg

Wer's glubbt, wird selig

In der letzten Saison ritt der 1. FC Nürnberg auf einer Welle des Erfolgs. Doch nach dem Abgang zahlreicher Leistungsträger wird die kommende Spielzeit für den Club zur Zerreißprobe. Wenigstens auf dem Mannschaftsbild herrscht beste Ordnung. Mannschaftsfoto (12): 1. FC Nürnberg

Unsere neue Serie: Wir präsentieren jeden Tag das aktuelle Mannschaftsfoto eines Bundesligisten und zeigen in unserer Bildergalerie die schönsten historischen Schüsse. Heute: 1. FC Nürnberg.

1.
Der neue Star
Tomáš Pekhart (fehlt auf dem Bild) soll die Lücke schließen, die VfB-Leihgabe Julian Schieber nach seiner Rückkehr ins Schwabenländle hinterlassen hat. Dafür hat der Club mit zwei Millionen Euro Ablöse sogar eine richtige Stange Geld auf den Tisch gelegt. Der Tscheche versuchte sich bereits bei den Tottenham Hotspur und dem FC Southampton in England, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Den feierte der 1,94-Hüne dafür in der letzten Saison in der tschechischen Liga. Nachdem er beim FK BAUMIT Jablonec in 29 Spielen satte 15 Mal traf, holte ihn im vergangenen Winter Rekordmeister Sparta Prag in seine Elf. Das Ergebnis: Neun Spiele, sieben Tore. Pekhart ist ein imposante Erscheinung, um genauer zu sein: eine Latte von Mensch – und kann bei schneller Eingewöhnung in Deutschland dem Frankenland noch viel Freude bereiten.

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2.
Wer ist er denn?
André The Giant? Der Undertaker? Rik Smits? Wer zur Hölle ist dieser Riese im Trainerstab von Dieter Hecking? Ein Blick auf die Namensliste verrät: Der Acht-Meter-Mann in Reihe Drei (4. v. l) ist der Pole Adam Matysek. Vielen noch bekannt als mehr oder minder sicherer Rückhalt von Bayer Leverkusen (78 Spiele von 1998 bis 2001), arbeitet Matysek mittlerweile seit 2005 als Torwarttrainer beim Club. Dort scheint er einen guten Job zu machen, immerhin verlängerte Stammkeeper Raphael Schäfer jüngst vorzeitig bis 2014.

3.
Eine kleine Stilkritik
Im Frankenland mag man es ordentlich. Vor dem frisch beschnittenen Nadelwald am Nürnberger Trainingsgelände postieren sich die Jungs, als seien sie mit dem Lineal aufgereiht worden. Selbst mannschaftsinterne Größenunterschiede wurden durch geschickte Verteilung der Sitzplätze ausgeglichen. Alles schick, doch dann fallen einem die beiden Bälle auf der rechten Seite ins Auge. Was ist denn da schief gelaufen? Gefälle im Gelände? Hat Busfahrer Udo Rauh (dritte Reihe, 1. v. r) kurz vorm entscheidenden Knips noch ein bisschen gedaddelt? Auf jeden Fall liegen beide Pillen im kuscheligen Engtanz, während die Kugelkollegen auf der linken Seite sich im EU-genormten Frankenlandabstand (eine Christstollenscheibenbreite) Bestnoten verdienen. Das wird Ärger geben! Nur für wen?

4.
Was fehlt?
Das Phantom. Marek Mintal gehörte zu Nürnberg wie der Christkindlmarkt, Michael A. Roth und das Albrecht-Dürer-Haus zusammen. Nun ist er nicht nur weg, noch schlimmer, er ist in Rostock. Damit fehlt dem Verein eine wichtige Integrationsfigur, die auch in schlechten Zeiten die Fanherzen höher schlagen lassen kann.

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5.
Prognose 2011/12
Sind wir ehrlich, im letzten Jahr profitierte der FCN vom Euphorieschub der verschworenen Gemeinschaft aus Leihspielern und Jungtalenten. Dumm nur, dass ein Großteil der Leistungsträger den Verein verlassen hat (Gündogan, Ekici, Schieber, Wolf) und hoffnungsvolle Jungs wie Wollscheid, Hegeler und Cohen in das berühmte schwierige, zweite Jahr gehen. Aus diesem Umstand ergibt sich, dass die Nürnberger von Anfang an Probleme kriegen werden. Am Ende geht es wohl gegen den Abstieg und wird nur knapp für den Klassenerhalt reichen. Wer an etwas anderes glubbt, wird selig.