Manager des Jahres: Stefan Reuter

Phantast mit Bodenhaftung

Sein statt Schein, Realismus statt hochfliegender Pläne. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig über einen Manager mit langem Atem. Heute wird Stefan Reuter bei der 11FREUNDE Meisterfeier geehrt.

11FREUNDE
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152

Stefan Reuter als Manager des Jahres, das ist mehr als verdient. Weil er den FC Augsburg zusammen mit Markus Weinzierl auf den achten Platz geführt hat. Weil der Klub schon in seine vierte Bundesligasaison geht. Vor allem aber, weil Stefan Reuter perfekt zu diesem Verein und zu dieser Stadt passt. Dazu muss man wissen, dass der Augsburger eine Neigung zum Understatement hat. Die Stadt ist ein traditionsreicher Fußballstandort, es gibt leidenschaftliche Fans und ein enormes Wirtschaftspotential.

Keine Thesen für den Boulevard

Trotzdem macht sich Augsburg oft zu klein, insbesondere gegenüber der Landeshauptstadt München. Solch ein Verein braucht keinen Hansdampf, der Fünfjahrespläne fürs internationale Geschäft über die Medien hinausposaunt. Sondern einen, der effizient und mit Verstand arbeitet, der Phantasie hat und zugleich genügend Bodenhaftung, um Wunschdenken und Wirklichkeit unterscheiden zu können. Reuter vereint all dies in sich, ohne sich dabei zu sehr vom Geschäft vereinnahmen zu lassen. Es gehört ja zu den merkwürdigen Verzerrungen unserer Branche, dass einer, der unprätentiös arbeitet und nicht ständig mit steilen Thesen die Boulevardblätter füllt, schnell als bieder gilt. Reuter ist nichts weniger als das.

Einer, der weiß, was zu tun ist

Aber er weiß um die Gefahr, in der jeder einigermaßen erfolgreiche Klub ständig schwebt, nämlich dass unrealistische Erwartungen das tägliche Handeln bestimmen. Stefan Reuter ist Realist genug, um zu wissen, dass kein Klub ein verbrieftes Recht auf die Erstligazugehörigkeit hat.
Ich erinnere mich noch, wann mir Stefan Reuter als Manager zum ersten Mal positiv auffiel. Es war zu meiner Augsburger Zeit, der 1860 München mit Reuter als Sportdirektor war im Rosenaustadion zu Gast. Der Gästeblock platzte aus allen Nähten. Während des Spiels ging es so hoch her, dass die Löwen-Fans beruhigt werden mussten.

Wäre ich als FCA-Manager allein hinmarschiert, hätten die mir einen Vogel gezeigt. Wir haben zusammen mit den Anhängern gesprochen. Seither weiß ich: Das ist keiner, der sich verdünnisiert, wenn es drauf ankommt. Nun kommt es wieder drauf an. Stefan Reuter muss den FCA in der Liga halten. Er muss die Mannschaft weiterentwickeln und das Nachwuchsleistungszentrum vorantreiben. Er kann sich dabei auf Markus Weinzierl, Peter Bircks, in erster Linie aber auf Walter Seinsch, ohne den der FCA nicht im Profifußball angelangt wäre, verlassen. Und natürlich auf sich selbst. Auf Stefan Reuter, den Manager des Jahres.