Maldinis laaaaange Karriere

Mein Leben mit Paolo

Es ist, als wäre die Tagesschau abgeschafft worden, etwas, das immer schon da war, auf das man sich verlassen konnte: Der große Paolo Maldini hat nach einem Vierteljahrhundert seine Karriere beendet. Erinnerungen an ein Leben mit ihm. Maldinis laaaaange KarriereImago Seit ich krabbeln kann, spielt Paolo Maldini beim AC Mailand mit der Nummer drei links hinten in der Viererkette. Seit 25 Jahren. Einem Vierteljahrhundert. Das Bewundernswerte an seiner Karriere sind nicht die vielen Erfolge, die er in dieser langen Zeit zur Genüge gefeiert hat, sondern die Geduld und Ausdauer, mit der er seinem Job nachging.

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Als der Sohn von Cesare Maldini am 20. Januar 1985 erstmals in der Serie A auflief, war ich gerade zehn Monate alt. Zu jener Zeit kannte die Öffentlichkeit weder Modern Talking noch Boris Becker, und heutige Funktionäre wie Michel Platini und Karl-Heinz Rummenigge schnürten noch die Fußballstiefel. Das erstes Länderspiel für Italien absolvierte Maldini im März 1988 gegen Jugoslawien, bei der EM im selben Jahr schied die Squadra Azzurra im Halbfinale gegen die UdSSR aus. Zwei Staaten, die damals noch hinter dem Eisernen Vorhang lagen und die es heute nicht mehr gibt.

Im Sommer 1990 wurde ich eingeschult und begann, mich für Fußball zu interessieren. An meiner Wand hingen Poster von Lothar Matthäus, Diego Maradona und dem damals 22-jährigen Paolo. Er hatte zu dieser Zeit schon vier Profijahre auf dem Buckel und gehörte zum Stamm jener Milan-Mannschaft, die Europas Vereinsfußball dominierte. Gemeinsam mit Spielern wie Franco Baresi, Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten gewann Maldini zweimal in Folge den Europapokal der Landesmeister – einen Wettbewerb, den meine Generation nur noch als Champions League kennt.

Titel um Titel

Während ich aufwuchs, war Paolo immer da. Ich drückte die Schulbank und versuchte mir die Hauptstadt von Aserbaidschan zu merken, er gewann Titel um Titel mit Mitspielern wie George Weah, Zvonimir Boban oder Andriy Shevchenko. Ich lud zum ersten Mal schüchtern ein Mädchen ins Kino ein, er verzückte als H&M-Model die Frauenwelt. Ich grätschte mir bei schlecht getimten Tacklings auf Berliner Kunstrasenplätzen die Knie wund, er war der Meister des effizienten Catenaccio.

Die Welt, und zwar nicht nur meine, hat sich in den letzten 25 Jahren dramatisch verändert, doch Maldini spielte immer einfach nur Fußball. Ohne Skandale und Ermüdungserscheinungen. Immer fair, immer auf dem höchsten Niveau, immer bei demselben Verein.

Und jetzt soll endgültig damit Schluss sein. Ich kann mir ein Leben ohne Paolo noch nicht so recht vorstellen.