Mainz‘ Stadionsprecher Klaus Hafner hört auf

»Der Schlaganfall hat mich motiviert«

Im Trikot mit der Nummer zwölf war der Hafner-Samba jahrelang ihr Markenzeichen. Aber irgendwann war damit Schluss.

Ich hatte mir damals das Sprunggelenk gebrochen. Trümmerbruch. Danach konnte ich leider nicht mehr tanzen.

Die schwerste Phase Ihrer Karriere?

Da musste ich mir eben andere Wege suchen, um die Energie rauszulassen. Manchmal hätte man sich gerne selbst eingewechselt, wollte selbst aufs Feld rennen. Das härteste war eigentlich trotz aller Emotionen die Neutralität zu wahren. 

Trotzdem haben Sie Mohamed Zidan einmal durchs Stadion getragen und in den Schlussphasen der Heimspiele die Fans oft nochmal angepeitscht.

Ich sage immer, solange ich niemanden verunglimpfe und fair bleibe, ist das im Rahmen. Zidan hat eben in einem entscheidenden Spiel drei Tore gemacht. Ein verrückter Typ war der, so wie ich. Und an den Anfeuerungen über die Stadionanlage trägt Jürgen Klopp eine Mitschuld. Wenn der mich früher als Trainer angeguckt hat, wusste ich: »Ohje, jetzt muss ich was machen.« Zu Beginn meiner Karriere habe ich mit einem Kugelschreiber aufs Mikrofon getrommelt, irgendwann kam dann der Spruch »Auf geht’s!«, der zumindest für die Fans auf der Haupttribüne Signalwirkung hat.

Haben Sie denn auch Spiele verpasst?

In 30 Jahren habe ich insgesamt acht Spiele verpasst. Entweder beruflich oder krankheitsbedingt. 

Ihre Karriere hätte allerdings auch schon vor zwei Jahren vorbei sein können.

Da hatte ich einen Schlaganfall, genau. Aber das hat mich auch motiviert. Stimme und Sprache waren ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Nur durch eiserne Disziplin und Training konnte ich da zurückkommen. Also habe ich vier Wochen lang mit einer Logopädin hart gearbeitet, nur zwei Heimspiele verpasst und zum Saisonabschluss gegen Eintracht Frankfurt mein Amt wieder aufgenommen. Großes Kompliment an den Verein, der mich in dieser schweren Zeit unterstützt hat.

Zwei Jahre später feiern Sie heute also Ihren selbstbestimmten Abschied. Werden Sie etwas vermissen?

Nein, ich hatte genug Zeit, mich darauf vorzubereiten. Eigentlich sehe ich vor allem die Vorteile: Ich muss nicht mehr viereinhalb Stunden vor dem Spiel im Stadion sein und zweieinhalb Stunden länger bleiben. Außerdem wird man mit 65 Jahren nicht fitter. Zwischen den Trainerbänken geht es während des Spiels eben auch nicht zu wie im Dom.

Wenn Sie bald kein offizieller Repräsentant des Vereins sind und keine Neutralität mehr wahren müssen: Gibt es irgendwas, was Sie schon immer mal sagen wollten?

(lacht) Natürlich hört man von der Tribüne schon viele Sprüche, aber ich bin Fan, ich will meine Mannschaft nach vorne bringen und das kann ich jetzt noch ein bisschen freier als vorher.

Also keine »Vorstand raus!«-Rufe?

Offiziell nicht. (lacht) Nein, wir haben im Moment einen super Vorstand, da wären die nicht angebracht.