Mainz’ neuer Chefcoach

Tuning für den FSV

Extrem-Skifahrer, DTM-Mechaniker, Mode-Unternehmer – und plötzlich Trainer von Mainz 05. Wer ist dieser Martin Schmidt?

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Die Diagnose »Stimmband-Entzündung« mag schon in der Theorie für Unbehagen sorgen, Mainz’ neuen Trainer Martin Schmidt, der derzeit daran leidet, wird aber wohl eher die gestörte Kommunikationsfähigkeit in seinem neuen Job stören und weniger der Schmerz. Mit Schmerzen kennt sich der Schweizer schließlich aus. Oder wie übersteht man sonst sieben Kreuzbandrisse und einen doppelten Halswirbelbruch?

Es ist wahrlich kein 08/15-Trainer, den Mainz-Manager Christian Heidel nach der Trennung von Kaspar Hjulmand auf den Chefsessel des Bundesliga-Vierzehnten befördert hat. Aber waren das Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel? Die »etwas anderen« Trainer haben beim FSV eine Tradition, und besieht man sich Schmidts Vita und seinen ersten Auftritt vor den Medien, dann wirkt der kühle Analyst Hjulmand gleich noch ein wenig spröder. »Ich bin ein lauter Trainer«, sagte Schmidt bei seiner Vorstellung. »Ich will in der Bundesliga Vollgas geben. Ich kann das, und die Mannschaft auch.«

Wobei »Vollgas« ein durchaus passendes Stichwort zu sein scheint, um den neuen Mainzer Coach zu umschreiben. Nicht nur in Sachen Fußballphilosophie, die bei Schmidt vor allem auf aggressivem Pressing und intensiver Laufarbeit beruht. Vor seiner Zeit als Trainer war Schmidt als Automechaniker bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft unterwegs, seine Antrittsrede beim FSV würzte er direkt mit einem Vergleich aus der Welt des Rennsports: »Ich bin gerne der Motor des Vereins. Aber man braucht auch ein Getriebe und gescheite Reifen, die die PS auf die Straße bringen.«

Als Fußballer hat Schmidt seine PS nie vollends auf den Platz bringen können. Zwar stieg er mit dem FC Naters aus der dritten in die zweite schweizerische Liga auf und kratzte somit am Profitum; schließlich musste er seine Karriere aber doch vorzeitig beenden – nach sage und schreibe sieben Kreuzbandrissen. »Ich stecke Verletzungen weg wie andere eine Erkältung«, sagt er heute über seine Krankenakte, das auch einen doppelten Halswirbelbruch beinhaltet, den sich Schmidt beim Extrem-Skifahren zuzog und der fast den Rollstuhl bedeutet hätte.