Mainz-Kapitän Niko Bungert zum Karriere-Ende

»Mich hat es an dem Tag ganz schön weggehauen«

Wurde Ihnen versprochen, dass Sie in Ihrer ersten Saison zum Stammspieler werden würden?
Im Gegenteil. Bei den Gesprächen sagte man mir, dass ich mich hinter Nikolce Noveski und Neven Subotic anstellen muss. Neven ging dann kurz nach meiner Unterschrift mit Jürgen Klopp nach Dortmund, es blieben nur noch Nikolce und ich als Innenverteidiger übrig. Bo Svensson war verletzt. 


Und gleich im ersten Jahr kamen Sie auf 32 Startelf-Einsätze und stiegen in die Bundesliga auf. 

Zudem kamen wir als Zweitligist noch ins DFB-Pokal-Halbfinale, es war unglaublich. Deswegen hatten wir auch eine entsprechend ausgiebige Abschlussfeier.

Wie ausgiebig?
Ich muss ehrlich zugeben, mich hat es an dem Tag ganz schön weggehehauen. Es waren über 35 Grad und ich stand 90 Minuten in der prallen Sonne. Mit Abpfiff floss der Alkohol. Ich war noch relativ jung und unerfahren, deswegen musste ich mich leider schnell verabschieden.


Lange mussten Sie aber nicht auf die nächste Feier warten. In der Saison 2010/ 2011 gelangen sieben Siege zu Saisonbeginn.
Dazu kommt, dass die Spiele total verrückt waren. Wir haben ein 0:3 in Wolfsburg gedreht und gewannen am Ende 4:3. Wir hatten einen starken Willen, viel  Power und das nötige Glück. Wir alle haben damals gedacht: Uns kann im Moment einfach nichts aufhalten.

Diese Einstellung nahmen Sie auch mit zum Spiel gegen die Bayern.
Es war ein außergewöhnliches Spiel. Wir sind erst morgens angereist und haben uns eine Stunde im Hotel hingelegt. Auf dem Weg in die Allianz Arena standen wir in einem Stau, sodass wir erst eine halbe Stunde vor Anpfiff dort ankamen. Wir sind dann ohne uns richtig aufzuwärmen aufgelaufen, haben 2:1 gewonnen und sind wieder heimgefahren.  

Es war auch die Zeit der Bruchweg-Boys. War Ihnen der Hype um das Trio nicht zu groß?
Überhaupt nicht. Bei solchen Erfolgsgeschichten gibt es immer einzelne Helden, die von den Medien hervorgehoben werden. Das Wichtige war, dass jeder die Erfolge richtig einordnen konnte, und das war bei Adam Szalai, Lewis Holtby und Andre Schürrle der Fall.