Mainz gegen den HSV

In der Talsohle

Mainz und Hamburg haben einen Umbruch hinter sich und wirken gleichermaßen verwirrt. Heute treffen sie sich zum Krisengipfel am Bruchweg. Wem gelingt der Befreiungsschlag? Imago Bedingt durch signifikante Umstellungen in ihren Kadern büßten Mainz 05 und der Hamburger SV Facetten jener Souveränität ein, die sie in der vergangenen Saison auszeichnete. So setzt der fünfte Bundesligavergleich (bislang drei HSV-Siege, ein Mainzer Erfolg) beide in der Tabelle abgerutschten Teams gleichermaßen unter Zugzwang.

Gestützte Trainer


Der FSV Mainz 05 und der Hamburger SV - die Kontrahenten eines viel beachteten Kellerduells - weisen einige Gemeinsamkeiten aus: Beider Trainer bewirkten in der Vergangenheit mit ihrer Arbeit einen beachtlichen sportlichen Aufschwung in den Teams, der den Anhängern viel Freude bereitete. Was dankenswerter Weise derart honoriert wurde, dass die Übungsleiter trotz der unbefriedigenden Ausbeute der letzten Monate von den Vereinen Rückendeckung erhielten. Für Thomas Doll gilt derzeit die Aussage, dass er zumindest bis zur Winterpause in Ruhe weiterarbeiten kann. Jürgen Klopp erhielt gar einen darüber hinausgehenden Freibrief von FSV-Präsident Harald Strutz: „Dass Klopp in der Vergangenheit schon nicht und auch in Zukunft nicht in Frage steht, darauf kann ich Ihnen Brief und Siegel geben. Daran ändert auch die momentane sportliche Situation nichts.“ Intern scheint somit alles geklärt, aber ein beide Klubs gleichermaßen quälender Missstand ist damit noch nicht aus der Welt: Es wurden schlicht zu viele Schlüsselspieler abgegeben, die noch immer nicht ersetzt werden konnten.
Top-Konditionen

Warten auf den Durchbruch

Bei Mainz waren dies im Wesentlichen die Offensivspieler Benjamin Auer, Michael Thurk, Antonio da Silva und Mohammed Zidan. HSV-seitig wirkten sich die Abgänge von Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Sergej Barbarez, „Paule“ Beinlich und - betrachtet man seine aufsteigende Form bei Eintracht Frankfurt - Naohiro Takahara verheerend aus. Die Neuverpflichtungen konnten bestenfalls in Ansätzen gefallen. Boubacar Sanogo etwa feierte einen prima Saisoneinstand bei den Hamburgern. Die Talfahrt setzte aber auch dem Afrikaner zu, der zuletzt glücklos agierte. Vincent Kompany konnte nur in der Hälfte der absolvierten zwölf Spiele eingesetzt werden - auch alles andere als ideal für einen designierten Abwehrchef. Eine Stärke der Mainzer in der vergangenen Saison waren die schnellen Gegenstöße mit gut getimten Anspielen auf die gefährlichen Spitzen. Durch die Qualität des Offensivspiels wurde auch die Abwehr entlastet. Die aktuell geringe Trefferquote (zehn Tore/zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 15 Treffer) drückt schon aus, dass hier nachgelegt werden muss. Eine personelle Aufstockung in der Winterpause ist laut Präsident Strutz denkbar. Positiv ist die jüngste Entwicklung von Neuzugang Imre Szabics zu sehen; der Ex-Bochumer Edu fand noch keine rechte Bindung zum Spiel der 05er.

Unterschiedliche Ansprüche

Als der Hamburger SV zuletzt am Bruchweg zu Gast war, im September 2005, zierte der FSV Mainz, wie jetzt, das Tabellenende der Liga. Es war der vierte Spieltag, Mainz verlor mehr oder minder chancenlos mit 1:3 und musste noch ein Weilchen auf den Umschwung warten. Der HSV jedoch war auf dem Höhenflug, feierte das 13. Spiel in Folge ohne Niederlage und hatte in der Tabelle nur Werder Bremen und den FC Bayern vor sich. Und genau hier enden die Gemeinsamkeiten: Die Hamburger wollen in diese Bereiche zurück; sie verfolgen ganz andere Ziele als die Mainzer, für die nur der Klassenerhalt zählt. Mit einem einzigen Sieg könnte der FSV bereits wieder auf eine Platzierung vorstoßen, mit der man in Mainz auch bei Saisonabschluss leben könnte. Thomas Dolls Truppe jedoch müsste schon eine vergleichbare Serie wie anno 2005 hinlegen.


Exklusiv-Interview mit Stefan Wächter: www.11freunde.de/bundesligen/18875