Luxemburgs Hoffnung Vincent Thill

»Wir pinkeln uns nicht gleich die Hose voll.«

Wie alle seine Söhne trainierte Serge auch Vincent als Kind. »Ich habe früh gemerkt, dass er etwas Besonderes ist. Ich kann es kaum beschreiben, aber entweder man hat es oder man hat es nicht. Und Vincent ... nun ja, der hat es.«

Als die Scouts vom FC Metz den 17-jährigen Sebastien in Luxemburg beobachten, fällt ihnen auch Vincent auf. Seinem älteren Bruder ist der Schritt nach Metz zu weit, Vincent nimmt die Einladung des Vereins ohne zu zögern an. Einen Monat Zeit will man ihm in Metz geben, um sich zu zeigen. Nach der ersten Einheit haben die Trainer genug gesehen und Vincent zieht ins Fußballinternat. Mit 15 trainiert er in der U19, mit 16 wird er Profi.

»Wir pinkel uns nicht die Hose voll, weil Matthias Sammer anruft.«

Liverpool und PSG hätten schon angefragt, sagt Vincent, auch Köln oder Hoffenheim. Wirklich konkret sei es mit den Bayern geworden. Serge und Vincent schauten sich das Gelände an, sprachen mit U23-Coach Vogel und verhandelten mit Michael Reschke über einen möglichen Transfer. Doch war die Sorge, Vincent könnte hinter all den Stars auf der Bank versauern, am Ende zu groß. Sicher, das schnelle Geld sei reizvoll, sagt Serge. Doch, er betont es immer wieder, in erster Linie müsse sich sein Sohn wohl fühlen. »Außerdem«, sagt Serge: »Wir pinkeln uns nicht gleich die Hose voll, nur weil Matthias Sammer anruft.«


Bild: Frederik Buyckx

Der Familienrat, wie Serge es nennt, entschied, dass Vincent auch noch in einem Jahr Weltstar werden könne. Also unterschrieb er zunächst einen langfristigen Vertrag in Metz. Ende Juni wird er das erste Mal mit den Profis trainieren, die Mannschaft ist im Sommer in die Ligue 1 aufgestiegen. Ob er keine Angst habe, gegen all die gestandenen Männer im Training zu versagen? Vincent Thill guckt nicht wie bisher verlegen zur Seite, sondern antwortet unverzüglich: »Nein. Ich weiß, dass ich es packe.«