Luxemburgs Hoffnung Vincent Thill

Vincent will mehr

Als erster in den 2000ern geborener Spieler debütierte Vincent Thill für den FC Metz in einer europäischen Topliga. Aber Thill will mehr: Er möchte Weltfußballer werden.

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In Herzogenaurach steht eine seltsame Maschine. Eine Maschine, mit der Adidas Schuhe und Bälle testet, die am Computer bedient wird und sich so programmieren lässt, dass es nur ein paar Koordinaten braucht, um den Ball mit Karacho in den Winkel fliegen zu lassen. Wenn beispielsweise ein Mesut Özil über das Gelände geführt wird, zeigt man ihm diesen wundersamen mechanischen Arm, der so viel präziser und härter schießen kann als das menschliche Bein.

Und manchmal, mehr aus Jux, lässt man den Kicker zum Vergleich schießen. Und so durfte sich auch Vincent Thill, 16 Jahre alt, Anfang Juni den Ball zurechtlegen. »Vincent nimmt also den Ball«, erzählt sein Vater und Manager Serge Thill, »und schießt ihn dreimal am Stück in den Winkel. Danach zeigt uns der Ingenieur die Flugkurven des Balles auf einem Bildschirm. Man konnte die einzelnen Schüsse nicht unterscheiden, so identisch waren die Kurven. Die Typen waren vollkommen baff, das hatten sie dort noch nie gesehen. Wie eine Maschine.«

Das größte Versprechen des luxemburgischen Fußballs

Einen Tag später steht Vincent Thill in der Küche seiner Eltern in Rodingen, Luxemburg, und sieht so gar nicht nach einer Maschine aus. Er hat kein T-Shirt an, und seine Mutter Nathalie schmiert einen der dünnen Oberarme dick mit Vaseline ein. Das neue Tattoo braucht Feuchtigkeit, die verletzte Haut muss heilen. Zu dem dicken Kreuz, das er sich mit 15 stechen ließ, hat sich eine Art Uhr gesellt, darunter in feinen Linien das eigene Geburtsdatum: 4.2.2000.


Bild: Frederik Buycks

Vincent Thill ist der erste Spieler, der im neuen Jahrtausend geboren ist und ein Länderspieltor geschossen hat. Er wird von Spitzenvereinen gejagt, trägt auf dem Platz die Nummer 10 und will eines Tages Weltfußballer sein. Vincent Thill ist schon jetzt ein Star in seiner Heimat und vielleicht das größte Versprechen, das der luxemburgische Fußball je hervorgebracht hat. Aber: Er ist noch ein Kind. Sein Vater bräuchte es nicht dauernd zu erwähnen, bereits seine Statur verrät ihn. Es gibt nicht viele Profis, die nur 54 Kilo wiegen.

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