»Lord« Bendtner ist jetzt »Kaiser«

Wie die Fans ihm übel mitspielen

Die meisten Berichte aber handeln noch immer von Bendtners Fehltritten, auch wenn die in jüngerer Zeit vergleichsweise harmlos ausfielen: Zur feierlichen Trondheimer Parade am Nationalfeiertag (17. Mai), an der traditionell auch die Rosenborg-Profis teilnehmen, trug der Blondschopf als einziger keinen Anzug. Bendtner erschien stattdessen im Stile eines Rappers der 90er Jahre – mit Baggy Shorts, albernem XXL-Hoodie und Karnevals-Sonnenbrille.

»Mich hatte niemand über den Dresscode informiert«, entschuldigte sich das Enfant Terrible achselzuckend. Die Fotos von Bendtners schrillem Auftritt schmückten tags darauf sämtliche Zeitungen Norwegens. In Mannschaftskreisen wird er seither auch »Der Prinz von Bel-Air« gerufen.


Screenshot »aftenposten.no«

Ganz oben auf der Shitlist

Irgendwie hatte der Däne all das wohl kommen sehen. Vielleicht erklärte Bendtner deshalb bei seiner Ankunft in Trondheim, er werde der Presse grundsätzlich nicht zur Verfügung stehen. Es dauerte mehrere Tage, bis der Klub ihm den Boykott ausreden konnte – zu spät: Fortan stand der Torjäger auch bei jenen Berichterstattern auf der Shitlist, die seine Verpflichtung bis dato wohlmeinend kommentiert hatten.

Die logische Folge: Schon nach Bendtners erstem torlosen Ligamatch, am 3. Spieltag, drehte sich der Wind im Blätterwald dramatisch. Seither bläst er Bendtner, der rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr kassieren soll, eiskalt ins Gesicht.

Genervt von herumlungernden Fans

Selbst die eigenen Fans scheinen jeglichen Respekt vor dem Strafraumstürmer verloren zu haben: In Trondheim bekommt Bendtner regelmäßig Besuch von irgendwelchen Spaßvögeln, die vor seinem Hauseingang Selfies knipsen. Dabei rufen sie lustige Dinge, wie: »Hey Lord, mach die Tür auf, wir haben Bier dabei und wollen Party machen!«

Bendtner, der zuvor freigiebig Fotos von seinem Nobeldomizil in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, reagierte genervt: »Dass die Leute neuerdings bei mir im Vorgarten herumlungern, irritiert mich irgendwie.«

Schon gibt es Gerüchte, dass der Mann, den sie einst »Lord« nannten, bald wieder Abschied nehmen könnte. Nicklas Bendtner soll es nun doch in die milliardenschwere Super League ziehen, nach Peking, Shanghai oder Tianjin. Dort könnte er vielleicht zum »Kaiser von China« werden. Ein wirklicher Aufstieg aber wäre das auch nicht.